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Bob
Dylan.
Protokoll
eines Novizen
Am Sonntagabend habe ich Bob Dylan zum ersten Mal
gesehen. Wer in den Achtzigern Teenager war, konnte
ihn ignorieren, auch wenn das Album «Infidels »
1983 oft im Radio life. Ein amerikanischer Freund
nahm mir später «Bringing It All Back Home»
(1965) und «Blonde on Blonde» (1966) auf. Ohne diese
Platten würde ich die USA nie verstehen, sagte er.
Auf der einen Rückseite war auch John Coltranes «A
Love Supreme » zu hören. Ich fiel für Coltrane.
Dylan blieb ein Denkmal, auf dem «wichtig» stand,
doch die Deutungsschlachten lieferten sich andere.
Ältere. Mittlerweile gehört man selbst zu den Älteren,
während Dylan an Zeitlosigkeit gewonnen hat.
Besonders seit Scorseses Dokfilm über die Jahre 1961
bis 66, die Dylan smart, aber auch charmant zeigen («No
Direction Home», 2005). Und wie der junge Dylan die
Noten über den Takt hinaus hält, um dann den Rest
der Zeile beiläufig, aber sicher unterzubringen, das
hat Coltrane-Qualitäten. «Modern Times» dann, das
neuste Album, verkauft sich wie schon lange kein
Dylan-Werk mehr. Seine Fanbasis wächst erneut.
Der breite Zuspruch geht nicht spurlos am Zürcher
Konzert vorbei. Das ist ein schönes Hitprogramm,
garniert mit Songs der aktuellen Platte (siehe Konzertkritik).
Dylan scheint mir fast gefällig, manche Versionen
stereotyp in ihrer Bluesrockigkeit. So erkenne ich
selbst als Neofan mehr als die Hälfte der Songs. Dass
Dylan dennoch nicht versöhnt wirkt, liegt an seiner
viel beschriebenen Stimme. Der Spagat aus beruhigter
Musik und versehrtem Organ verhindert die grosse Gemütlichkeit.
Doch sie liegt in der Luft. How does it feel to be a
Bewunderer? Noch etwas kühl, bei allem Respekt. Vielleicht
ist Distanz nicht ganz falsch – zu einem Sänger,
der allen Umarmungen stets ausgewichen war.
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