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Hallenstadion Zürich



Zürich 2007
Hallenstadion

Tobi Müller


Bob Dylan.
 
Protokoll eines Novizen

Am Sonntagabend habe ich Bob Dylan zum ersten Mal gesehen. Wer in den Achtzigern Teenager war, konnte ihn ignorieren, auch wenn das Album «Infi­dels » 1983 oft im Radio life. Ein amerika­nischer Freund nahm mir später «Bring­ing It All Back Home» (1965) und «Blonde on Blonde» (1966) auf. Ohne diese Platten würde ich die USA nie ver­stehen, sagte er. Auf der einen Rückseite war auch John Coltranes «A Love Su­preme » zu hören. Ich fiel für Coltrane. Dylan blieb ein Denkmal, auf dem «wichtig» stand, doch die Deutungs­schlachten lieferten sich andere. Ältere. Mittlerweile gehört man selbst zu den Älteren, während Dylan an Zeitlo­sigkeit gewonnen hat. Besonders seit Scorseses Dokfilm über die Jahre 1961 bis 66, die Dylan smart, aber auch char­mant zeigen («No Direction Home», 2005). Und wie der junge Dylan die No­ten über den Takt hinaus hält, um dann den Rest der Zeile beiläufig, aber sicher unterzubringen, das hat Coltrane-Qua­litäten. «Modern Times» dann, das neuste Album, verkauft sich wie schon lange kein Dylan-Werk mehr. Seine Fanbasis wächst erneut.
Der breite Zuspruch geht nicht spur­los am Zürcher Konzert vorbei. Das ist ein schönes Hitprogramm, garniert mit Songs der aktuellen Platte (siehe Kon­zertkritik). Dylan scheint mir fast gefäl­lig, manche Versionen stereotyp in ih­rer Bluesrockigkeit. So erkenne ich selbst als Neofan mehr als die Hälfte der Songs. Dass Dylan dennoch nicht versöhnt wirkt, liegt an seiner viel be­schriebenen Stimme. Der Spagat aus beruhigter Musik und versehrtem Or­gan verhindert die grosse Gemütlich­keit. Doch sie liegt in der Luft. How does it feel to be a Bewunderer? Noch etwas kühl, bei allem Respekt. Viel­leicht ist Distanz nicht ganz falsch – zu einem Sänger, der allen Umarmungen stets ausgewichen war.



Hallenstadion Zürich