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Bootlegcover Wiesbaden 1993


Wiesbaden 1993
Review
von
Thomas Huff


Wiesbaden, Dylan und die Ehefrau 

,,Doch da hat er schon lange allen Kleingläubigen bewiesen, dass er 
kann wenn er nur will". Mit diesem Satz endet das Review des 
Musik Express über das Dylan Konzert in Hannover am 18. 02. 1993

... wenn er nur will - diese Hoffnung geisterte mir durch den Kopf, als ich 
zwei Tage später mit einem musikbegeisterten Freund und unseren beiden Ehefrauen, nicht unbedingt Dylan - Fans nach Wiesbaden auf mein 
zweites Dylan - Konzert fuhr.

Vor der Halle und im Foyer das übliche Treiben und Tun, bei einem 
Rockkonzert, einige optische Dylan - Fans und ein bunt gemischtes 
Publikum mit Trend zum seriösen Konzertgänger ( wir sind in 
Wiesbaden - irgendwie ein verkrampftes Feeling), mancherorts ist 
wohl ein Dylan Konzert ein gesellschaftliches Muss, es war anders 
als im Offenbacher Fussballstadion 1984. Na ja, egal, dachte ich mir, 
wenn ´s denn wenigsten eine gute Show gibt, allein wegen unserer 
Frauen, die natürlich die paar Lieder die sie kannten, auch hören wollten, 
obwohl ich im Vorfeld versucht habe, zu hohe Erwartungen an ein 
Dylan - Konzert einzudämmen, da ich wusste, dass er unberechenbar ist.

In der Halle war es erdrückend und eng und nachdem wir uns endlich 
für einen weniger guten Stehplatz in der Menge entschieden hatten, 
begann das Warten auf Mr. Dylan. Obwohl wir spät dran waren, dauerte 
es noch eine ganze Weile, bis das Licht ausging und die Band auf der
Bühne erschien. Ohne ein Wort ging es dann  los, wobei mir bei den  
ersten Titeln nicht klar war, was er da spielte. 

Als dann die ersten Töne von All along the Watchtower erklangen
(und ich leider erst nach spätem Erkennen des Textes meiner Begleitung 
den Titel nennen konnte, merkte ich , welch ein ,,schlechter"
Dylan - Kenner ich doch an diesem Abend war) keimte Hoffnung auf 
etwas mehr Konzert - Drive auf,doch bald ging es wieder im alten 
Trott weiter, irgendwie alles so heruntergeleiert, zwischendurch wieder 
kurze Auflockerung durch den Memphis Blues, aber mit einem nicht zu 
verstehenden Dylan, was nicht unbedingt zur Begeisterung des 
Publikums und insbesondere unserer Ehefrauen beitrug. Sie begannen 
schon das Denkmal Dylan verbal zu demontieren in dieser erdrückenden 
Halle und ich dachte, das ist es jetzt , mein  Dylan - Konzert, auf das ich 
mich so gefreut hatte.
  
 Als er dann im Akustik - Set Mr. Tambourine Man in einer 
wunderschönen Version spielte, lockerte sich die Atmosphäre auf , 
das Publikum dankte es ihm. Dylan honorierte dies wiederum mit einem versöhnlichen Don ´t think twice, it´s allright. Die Titel wurden
,,bekannter", das Konzert wurde besser, und strebte mit Highway 61 
auf einen Höhepunkt zu, und fiel dann in die gewohnte Schwerfälligkeit 
zurück.

Bob Dylan verließ die Bühne, ohne mit den Leuten gesprochen zu haben, 
ohne Zugabe. Ein nicht allzu gelungenes Konzert hatte sein Ende - und 
unsere Ehefrauen und viele andere waren  froh, dass es ein Ende hatte. 

Ich nahm es so hin, wie es eben war - wir hatten Bob Dylan auf der Bühne 
erlebt, so, wie er ist, ein Mensch mit allen Stimmungsschwankungen, der an diesem Abend eben nicht so wollte,wie wir es von ihm erwartet hatten.

Irgendwie war es aus heutiger Sicht doch ein interessantes Konzert.
Im September 2000 erwischte ich ihn in Frankfurt in einer unheimlich 
guten Laune, bei einem unheimlich guten Konzert  -  allein - es war große
Klasse. Im April 2002 erlebte ich, wie dieser Bob Dylan meine Ehefrau 
mit seiner wundervollen Vortragsweise und Musik überzeugen konnte -
The times they are a - changin`!!    
   


Bootlegcover Wiesbaden 1993