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Dylan in Stuttart 2000


Stuttgart 2000
Stuttgarter
Nachrichten
von
Nikolai B.
Forstbauer

Wenn Worte tanzen lernen
Bandchef mit leichter Hand: 
Bob Dylan gastierte in der Stuttgarter Schleyerhalle

Bob Dylan in der Schleyerhalle - sicher ein Wagnis. Knapp 5000 
Besucher sollen da sein, als der Musiker - zum Auftakt seiner 
diesjährigen Deutschland -Tournee, zum zweiten Konzert seiner 
diesjährigen Europa-Tournee, zum rund zweistündigen Zwischenstopp 
auf seiner 1988 gestarteten ¸¸Never Ending Tour'' - kurz nach 
20 Uhr die Bühne betritt.

Dylan - heller Anzug, Cowboystiefel - geht zügig ans Mikrofon, fast 
gleichzeitig hängen der 59-jährige Songwriter, Larry Campbell 
(erste Gitarre), Charlie Sexton (zweite Gitarre) und Tony Garnier 
(Bass) ihre Instrumente um, nimmt David Kemper hinter dem 
Schlagwerk Platz. Ein Arbeitsauftritt, die Show beschränkt sich 
auf eine knappe ¸¸Please Welcome''-Ansage und eine mitunter 
fast liebevoll wirkende Lichtregie.

Schnörkellos treibt das Begleitquartett die Melodielinien voran, 
auf denen Dylan mit zunächst klarer Stimme seine Geschichten tanzen 
lässt. Vom Alltag der Spieler erzählt er, die Worte fast sorgsam in 
das eigentlich zu weite Rund entlassend. Unter ihm haben die Fans 
das vorgesehene Sitzgebot längst aufgehoben - zum Ärger jener, 
die sich für ihr Geld freie Sicht erhoffen konnten. Auch an anderer 
Stelle in der Halle erweist sich die Platzwahl als obsolet - die 
Bühnenaufbauten versperren die Sicht von den Seiten, die 
angebotenen Ausweichplätze in der Hallenmitte liegen jedoch ¸¸
ganz hinten'', wie Betroffene am Dienstag gegenüber unserer 
Zeitung klagen.

Derweil steigt die Begeisterung vor der Bühne, umso mehr, als 
Dylan bereits im zweiten Song zu einem Klassiker greift: 
The Times They Are A-Changing. Dabei erzählt Bob Dylan von der 
Legende, zu der dieser Song geworden ist, während das Publikum 
fast trotzig dem Refrain huldigt. Mit leichter Hand dirigiert 
der Chef das Geschehen, Dylan, die Gitarre wie stets eigenwillig 
eng am Körper, deutet ein Tänzeln an - gerade so, als scheine 
durch den Dylan - eigenen Crossover von Country, Blues und Rock südamerikanische Rhythmik. Das Publikum spürt die Frische, jubelt 
und klatscht sich warm.

Dylan aber nimmt unvermittelt das Tempo heraus, bricht Linien 
ab, setzt schließlich auch die Mundharmonika gegen die Melodie. 
Ein Szenario der Brüche -Off The Line weiß sich Dylan.

Instrumentenwechsel nach sechs Stücken: Die akustischen 
werden gegen elektrische Gitarren getauscht, treibend jetzt zieht 
Dylan das Tempo an, bekennt er sich mit Maggie' s Farm zum 
bluesgefärbten Rock. Nehmen sich aber die Musiker nicht zu 
deutlich zurück? Immer wieder zügeln sie das Tempo, um dem Chef 
seine Soli zu ermöglichen. Und Dylan? Er, der die Worte zum 
Tanzen bringt, genießt offensichtlich gerade diese Momente, in 
denen die Gitarre ihre eigene Sprache sucht.

Die Songs des 97er Albums Time Out Of Mind bestimmen 
den Abend, in Erinnerung aber bleiben den meisten Besuchern 
wohl das bejubelte Like A Rolling Stone und die Hymne an 
das eigene Lebensgefühl: Forever Young singt Bob Dylan, selbst 
nun schon leicht ermüdet wirkend. Seitenwege sind nun nicht 
mehr zu erwarten - um 22.10 Uhr gehen die Lichter an.


Dylan in Stuttart 2000