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Wenn Worte tanzen lernen
Bandchef mit leichter Hand:
Bob Dylan gastierte in der Stuttgarter Schleyerhalle
Bob Dylan in der Schleyerhalle - sicher ein Wagnis. Knapp 5000
Besucher sollen da sein, als der Musiker - zum Auftakt seiner
diesjährigen Deutschland -Tournee, zum zweiten Konzert seiner
diesjährigen Europa-Tournee, zum rund zweistündigen
Zwischenstopp
auf seiner 1988 gestarteten ¸¸Never Ending Tour'' - kurz
nach
20 Uhr die Bühne betritt.
Dylan - heller Anzug,
Cowboystiefel - geht zügig ans Mikrofon, fast
gleichzeitig hängen der 59-jährige Songwriter, Larry
Campbell
(erste Gitarre), Charlie Sexton (zweite Gitarre) und Tony
Garnier
(Bass) ihre Instrumente um, nimmt David Kemper hinter dem
Schlagwerk Platz. Ein Arbeitsauftritt, die Show beschränkt
sich
auf eine knappe ¸¸Please Welcome''-Ansage und eine mitunter
fast liebevoll wirkende Lichtregie.
Schnörkellos treibt das
Begleitquartett die Melodielinien voran,
auf denen Dylan mit zunächst klarer Stimme seine Geschichten
tanzen
lässt. Vom Alltag der Spieler erzählt er, die Worte fast
sorgsam in
das eigentlich zu weite Rund entlassend. Unter ihm haben die
Fans
das vorgesehene Sitzgebot längst aufgehoben - zum Ärger
jener,
die sich für ihr Geld freie Sicht erhoffen konnten. Auch an
anderer
Stelle in der Halle erweist sich die Platzwahl als obsolet -
die
Bühnenaufbauten versperren die Sicht von den Seiten, die
angebotenen Ausweichplätze in der Hallenmitte liegen jedoch
¸¸
ganz hinten'', wie Betroffene am Dienstag gegenüber unserer
Zeitung klagen.
Derweil steigt die
Begeisterung vor der Bühne, umso mehr, als
Dylan bereits im zweiten Song zu einem Klassiker greift:
The Times They Are A-Changing. Dabei erzählt Bob Dylan
von der
Legende, zu der dieser Song geworden ist, während das
Publikum
fast trotzig dem Refrain huldigt. Mit leichter Hand dirigiert
der Chef das Geschehen, Dylan, die Gitarre wie stets
eigenwillig
eng am Körper, deutet ein Tänzeln an - gerade so, als
scheine
durch den Dylan - eigenen Crossover von Country, Blues und
Rock südamerikanische Rhythmik. Das Publikum spürt die
Frische, jubelt
und klatscht sich warm.
Dylan aber nimmt
unvermittelt das Tempo heraus, bricht Linien
ab, setzt schließlich auch die Mundharmonika gegen die
Melodie.
Ein Szenario der Brüche -Off The Line weiß sich Dylan.
Instrumentenwechsel nach
sechs Stücken: Die akustischen
werden gegen elektrische Gitarren getauscht, treibend jetzt
zieht
Dylan das Tempo an, bekennt er sich mit Maggie' s Farm
zum
bluesgefärbten Rock. Nehmen sich aber die Musiker nicht zu
deutlich zurück? Immer wieder zügeln sie das Tempo, um dem
Chef
seine Soli zu ermöglichen. Und Dylan? Er, der die Worte zum
Tanzen bringt, genießt offensichtlich gerade diese Momente,
in
denen die Gitarre ihre eigene Sprache sucht.
Die Songs des 97er
Albums Time Out Of Mind bestimmen
den Abend, in Erinnerung aber bleiben den meisten Besuchern
wohl das bejubelte Like A Rolling Stone und die Hymne
an
das eigene Lebensgefühl: Forever Young singt Bob
Dylan, selbst
nun schon leicht ermüdet wirkend. Seitenwege sind nun nicht
mehr zu erwarten - um 22.10 Uhr gehen die Lichter an.
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