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Schwäbisch - Gmünd 2001
Musikexpress
von
Wolfgang Nussbauer
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12000 hängen an Bobs Lippen
Ob sich die Zeiten nun wirklich ändern, lassen wir mal
dahingestellt -
einer jedenfalls bleibt sich treu: Bob Dylan,der "Godfather"
des
anspruchsvollen Rock. Keine Zugeständnisse, keine
Artigkeiten. Eines nur: Songs und Botschaft pur. Blättern wir zurück zum Konzert im
Unipark in Schwäbisch Gmünd.
Fragen , die sich die Zwölftausend auf dem Campus stellen.
Wird das
Wetter halten? Wird Bob weiter machen, wenn es blitztund
donnert? Und
wenn er kommt und klampft, wie lange? Nölt er seine Songs bloß
’runter?
Man weiß bei dem Exzentriker ja nie, was einem
geschieht.
Zuletzt in der Schleyerhalle in Stuttgart war er gut drauf. Da
klang
selbst der Tambourine Man wie ihn die Fans in der Erinnerung
haben.
Im Unipark ließ er seiner Gemeinde keine Chance zum
Mitsingen.
Hätte er nicht immer wieder den Songtitel intoniert (mit
einem kühnen
Schlenker auf der Tonleiter nach oben wie zuvor schon noch
beim moderat rockenden Like a Rolling Stone angedeutet), man hätte
sich mit dem "Man" schwer getan. Nach dem gleichen Strickmuster
polt der
Sechzigjährige kurz vor Schluss Blowin' in the Wind neu. Und
siehe da:
Die abgenutzte Flower-Power-Hymne wirkt frisch wieeinst im
Mai.
Wir spüren: Ringsum krempeln die Altachtundsechziger
(endgültig)
innerlich die Ärmel hoch. Die grauen Schöpfe über der
Lederjacke haben
Kind und Kegel mitgebracht. Man weiß ja nie, wie lange noch
Zeit bleibt bis zum Knockin' on heavens door, (auf das die Fans vergeblich
warten).
Gemeinsam fühlt man sich wie am Lagerfeuer, als Bob Dylan im
feinen
Tuch 20 vor neun mit seinen zuverlässig arbeitenden
Begleitern Larry Campbell an Gitarre, Geige und
Keyboard, Charlie Seyton, Gitarre, Tony Garnier am Bass und David Kemper
am Schlagzeug schön entspannt am akustischen Gerät Duncan
and Brady
anstimmt. Schon recken sich die ersten Armpaare nach
oben, nachdem zuvor die Lokalmatadore Cameron Fraser und Hubert Stytz mit
ihrem (von Dylan inspirierten) Bluesrock vergeblich versucht hatten,
die Massen in Bewegung zu versetzen. Schließlich muss man mit
seinen Kräften haushälterisch umgehen.
Die sind spätestens im ersten
Zugabenset gefragt, als Dylan mächtig rockend über den Highway 61 fegt -
Geschwindigkeits- und Zeitbegrenzung locker missachtend. Das kommt gut an auf
dem
Campus, wo man inzwischen fast zwei Stunden mit Bobs
Liedern
unterwegs ist. Und obwohl er manchmal an den falschen
Stellen
abzubremsen oder Gas zu geben scheint, fühlt man sich mit ihm
am Steuer
so sicher wie in Abrahams Schoß. Denn Bob hängt sich
rein.
The Times they are A-Changin', trocken rockend zwar, aber da
weiß
man schon beim zweiten Titel, dass es gut wird. Mit kernig
schrammelnden Gitarren und heftigen Eruptionen auf der
Mundharmonika. Zu
erleben auch in Desolation Row, das er ganz selten live
anstimmt. Der tiefe Blick in My Back Pages öffnet einmal mehr dieAugen für
Dylans lyrische Meisterschaft. Nahtlos schließt daran It's
alright, Ma (I'm only bleeding) an. Sehen wir da nicht feuchtes Glänzen in verklärten Augen?
Golden schminkt die Sonne den Abendhimmel und hinterlässt auf den
entspannten
Gesichtern einen rosigen Schimmer. Don't think twice, it's all
right.
Inzwischen zeigt die Uhr 20 vor elf und Bob erzählt noch
immer. Wird
er sie anstimmen, die Hoffnungshymne all jener, an denen
der Zahn der Zeit nagt, Forever young? Nein, den Gefallen tut
er nicht am Ende der Klassikerrunde, in der noch All along the watchtower
aufleuchtet.
Mit dem knackigen Cat 's in the well löscht er die
Gefühlsaufwallungen vor ihm - und geht. Die Ikone bleibt
spröde.
Dennoch: "It's alright, Bob!"
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