n.B.u
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Bob dylan in Schwäbisch - Gmünd 2001


Schwäbisch - Gmünd
GEA


Der alte lässt das Heulen nicht
Bob Dylan in Schwäbisch Gmünd

Vor kurzem ist Bob Dylan 60 geworden. Und was wurde nicht alles 
veranstaltet, um den Altmeister der Rock- und Folkmusik zu ehren. 
Lobeshymnen in den Feuilletons, Geburtstagspartys rund  um den 
Globus, ja sogar Podiumsdiskussionen in denen gefordert wurde, 
dem mehrfach nominierten Dylan endlich den Literaturnobelpreis 
zuzuerkennen. Dabei wirkten viele Beiträge schon fast wie Nachrufe. 
Dylan selber berührt das wenig. Gemästet von all den Preisen und 
Ehrenwürden, darunter sein erster Oscar Anfang des Jahres,
kümmert er sich um das, was er am besten kann. Er gibt Konzerte, und 
das fast täglich. Und wer unermüdlich auf seiner "Never Ending Tour" 
bis zu 180 Abende jährlich auftritt, den verschlägt es auch mal in die 
Provinz, so wie letzten Samstag nach Schwäbisch Gmünd.
Und weil Dylan ein recht eigenwilliger Bühnencharakter ist, 
wurde, wie bei jedem Konzert, im Vorfeld viel über seine Tagesform 
spekuliert. Gibt es ein Desaster wie in den frühen 90er Jahren? Wird 
er  von seiner Bühne lächeln, das Publikum mit ein paar Worten adeln?
Die 10.000 Openair Besucher hatten in zweierlei Hinsicht Glück. 
Zum einen  verzogen sich die Regenwolken pünktlich zum Auftritt 
über dem Universitätspark, zum anderen erschien ein glänzend gelaunter 
Dylan. 

Die ersten drei Songs, darunter The times they are a-changin', 
wirkten noch etwas unentschlossen. Doch mit aufklarendem Wetter 
schien das Ensemble auf der Bühne ebenfalls mehr und mehr aufzutauen. 
Die gute Stimmung gipfelte im ersten Höhepunkt My back pages, 
interpretiert mit melodiöser Kraft, was in erster Linie dem Geigenspiel 
von Larry Campbell zu verdanken war. Aber auch Dylan selbst war auf
Betonung und Ausdruck bedacht. Seine Mundharmonika schmetterte 
den typischen Notensalat durch die Lautsprecher, ein Klanggewitter, 
dass in seine Songs gehört wie das Salz  in die Suppe. Die weitere 
Songlist liest sich wie eine Greatest Hits Auswahl: 
Don't think twice, Like a rolling stone, All along the watchtower und 
Highway 61revisited, um nur die bekanntesten zu nennen. Da war von 
einem mürrischen Dylan, der gar keine Interviews mehr gibt und von
dessen Privatleben nur Spekulationen ganze Bücherregale füllen, nichts 
mehr zu spüren. Er tänzelte beschwingt durch die Show. Seine Stimme 
knarzte und heulte hie und da, auch sein Timing war nichtimmer perfekt.
Aber alle Fragen, die Dylan gestellt werden könnten, beantwortet 
der 60jährige an diesem Abend mit seiner Musik. Die Bühne als 
offenes Buch, Dylan die krakelige Schrift auf den unzähligen Seiten. 

Das eigentliche Highlight der Show war ein Lied, dass nur noch 
Bob Dylan selbst spielen kann: Blowin' in the wind. Diesen Song, den 
man bei jedem Lagerfeuer zu hören kriegt und der für alle möglichen 
Bewegungen als Hymne bemüht wurde, klingt bei ihm noch ehrlich und 
unverbraucht. "Nobody sings" eben "Dylan like Dylan".


Bob dylan in Schwäbisch - Gmünd 2001