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Schwäbisch - Gmünd
GEA
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Der alte lässt das Heulen nicht
Bob Dylan in Schwäbisch Gmünd
Vor kurzem ist Bob Dylan 60 geworden. Und was wurde nicht
alles
veranstaltet, um den Altmeister der Rock- und Folkmusik
zu ehren.
Lobeshymnen in den Feuilletons, Geburtstagspartys rund
um den
Globus, ja sogar Podiumsdiskussionen in denen gefordert wurde,
dem mehrfach nominierten Dylan endlich den
Literaturnobelpreis
zuzuerkennen. Dabei wirkten viele Beiträge schon fast wie
Nachrufe.
Dylan selber berührt das wenig. Gemästet von all den Preisen
und
Ehrenwürden, darunter sein erster Oscar Anfang des Jahres,
kümmert er sich um das, was er am besten kann. Er gibt
Konzerte, und
das fast täglich. Und wer unermüdlich auf seiner "Never
Ending Tour"
bis zu 180 Abende jährlich auftritt, den verschlägt es
auch mal in die
Provinz, so wie letzten Samstag nach Schwäbisch Gmünd.
Und weil Dylan ein recht eigenwilliger Bühnencharakter
ist,
wurde, wie bei jedem Konzert, im Vorfeld viel über seine
Tagesform
spekuliert. Gibt es ein Desaster wie in den frühen 90er
Jahren? Wird
er von seiner Bühne lächeln, das Publikum mit ein paar
Worten adeln?
Die 10.000 Openair Besucher hatten in zweierlei Hinsicht
Glück.
Zum einen verzogen sich die Regenwolken pünktlich zum
Auftritt
über dem Universitätspark, zum anderen erschien ein
glänzend gelaunter
Dylan.
Die ersten drei Songs, darunter The times they are a-changin',
wirkten noch etwas unentschlossen. Doch mit aufklarendem
Wetter
schien das Ensemble auf der Bühne ebenfalls mehr
und mehr aufzutauen.
Die gute Stimmung gipfelte im ersten Höhepunkt My back pages,
interpretiert mit melodiöser Kraft, was in erster Linie dem
Geigenspiel
von Larry Campbell zu verdanken war. Aber auch Dylan
selbst war auf
Betonung und Ausdruck bedacht. Seine Mundharmonika
schmetterte
den typischen Notensalat durch die Lautsprecher, ein
Klanggewitter,
dass in seine Songs gehört wie das Salz in die Suppe.
Die weitere
Songlist liest sich wie eine Greatest Hits Auswahl:
Don't think twice, Like a rolling stone, All along the
watchtower und
Highway 61revisited, um nur die bekanntesten zu nennen. Da war
von
einem mürrischen Dylan, der gar keine Interviews mehr
gibt und von
dessen Privatleben nur Spekulationen ganze
Bücherregale füllen, nichts
mehr zu spüren. Er tänzelte beschwingt durch die
Show. Seine Stimme
knarzte und heulte hie und da, auch sein Timing war nichtimmer
perfekt.
Aber alle Fragen, die Dylan gestellt werden könnten,
beantwortet
der 60jährige an diesem Abend mit seiner Musik. Die Bühne
als
offenes Buch, Dylan die krakelige Schrift auf den
unzähligen Seiten.
Das eigentliche Highlight der Show war ein Lied, dass nur
noch
Bob Dylan selbst spielen kann: Blowin' in the wind. Diesen
Song, den
man bei jedem Lagerfeuer zu hören kriegt und der für
alle möglichen
Bewegungen als Hymne bemüht wurde, klingt bei ihm noch
ehrlich und
unverbraucht. "Nobody sings" eben "Dylan like
Dylan".
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