n.B.u
REGENSBURG 
REVIEWS

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REGENSBURG 
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Regensburg 2000
Straubinger Tagblatt /
Landshuter
Zeitung
Erich Altmann /
Rainer Sobek


Ekstatisches Wippen in weißen Westernboots 

Bob Dylan zeigt sich in der Regensburger Donauarena ungewohnt 
gutgelaunt und spielfreudig 

Wahr ist: Bob Dylan kann nicht singen. Nicht so ganz richtig und 
nicht so ganz richtig schön jedenfalls. Wahr ist auch: Bob Dylan ist 
kein großer Performer, keiner, dem man die Spielfreude oder sonst
irgendeine innere Regung ansieht. Er redet wenig, lacht kaum, er 
schwitzt nicht einmal in seinem schwarzen Cowboyanzug. Als 
Zuschauer überkommt einen da schon mal das ungute Gefühl, mehr 
Störfaktor als Animation bei einem Dylan-Konzert zu sein. Who cares? 
Eine Eintrittskarte für eine Show von Robert Allan Zimmermann aus 
Dulluth  (Minnesota) ist ungefähr das, was für den amerikanischen 
Leinwand - Dummi Forrest Gump das Leben ist: eine Pralinenschachtel, 
bei der man nie weiß, was drinnen steckt. 

Unweigerlich stellen sich quälende Fragen:Ist der Meister wieder 
mal hackedicht - wie bei seinem unsäglichen Auftritt beim 
Live-Aid-Konzert 1985 im Londoner Wembley-Stadion? Oder, was 
mindestens genauso schlimm ist, aufs Übelste gelaunt und schrammt 
er deshalb seine Songs ähnlich lustlos herunter wie beim Gig vor zwei 
Jahren im Nürnberger Frankenstadion? 

TheTimes They Are A-Changin, sagt sich der geneigte Dylan-Fan und 
wagt gerne einen neuerlichen Versuch. Lebende Legenden kriegt man 
halt nicht alle Abende zu Gesicht, dafür lässt man schon einen knappen 
Hunderter springen. Um es vorweg zu nehmen: Jede Mark, die die 
über 4000 Besucher am Donnerstagabend in der Regensburger 
Donau-Arena ausgegeben hatten, war bestens angelegt. 
Schon nach den ersten Takten ist klar: Dylan ist - jedenfalls für 
seine Verhältnisse - bester Laune und unterstreicht dies, indem er sich
zu einem fast ekstatischen Wippen seiner in beige - weißen
Gamaschen - Westernboots steckenden Füße hinreißen lässt. Wie 
gewohnt verzichtet der 59-jährige (am Abend zuvor hatte er auf der 
Bühne in Dresden seinen Geburtstag gefeiert) auf ein Grußwort, doch ein 
"How Are You?" ans Publikum wäre ohnehin überflüssig gewesen. Ist 
der Meister gut drauf, sind` s auch seine Anhänger. Die erfreuen sich 
im ersten Teil des gut zweistündigen Konzerts an sauber vorgetragenen 
Unplugged - Nummern, die in Desolation Row ein erstes Highlight 
haben. Zwei Gitarren, ein Kontrabass und ab und an ein wenig 
Steel-Guitar. Die Mundharmonika, die normalerweise zu Dylan gehört 
wie der offene C-Dur-Akkord, hätte da nur gestört und blieb deshalb - 
bis auf zwei Kurzeinsätze - in der Westentasche verstaut. 

Doch Dylan wäre nicht Dylan, würde er nicht ausgerechnet da, wo Lagerfeuer- Romantik aufkommt, die Akustikklampfe beiseite legen und die E-Gitarre anstecken. Dies hat er erstmals 1965 beim legendären Newport - Folkfestival getan und dafür von den Puristen viel Prügel ("Judas", "Verräter") einstecken müssen. 35 Jahre später gibt` s vom 
Regensburger Publikum uneingeschränkt Beifall. Aber das hatten 
wir ja schon: The Times They Are A-Changin`. Vor allem weil Dylan 
und seine musikalischen Mitstreiter jetzt auch flottere - neudeutsch: 
groovigere - Nummern durch die Lautsprecher schicken. Spätestens
bei Leopard-Skin Pill-Box Hat ist der (Elektro-) Funke endgültig 
übergesprungen. Bis dato haben Dylan und Kollegen gut eine Stunde 
mit Bravour hinter sich gebracht und verabschieden sich erstmals 
in die Bandgarderobe. Kurzes Durchschnaufen vor dem Finale, einer 
rasanten Fahrt auf dem Highway 61, in dem ein Höhepunkt 
(All Along The Watchtower) den anderen (Rainy Day Women # 
12 & 35, Don`t Think Twice It`s Allright
) jagt. Und zum Abschied 
wird sogar noch das eingestaubte Blowin` In The Wind hervorgekramt -
in ein locker-jazziges Gewand gepackt und zum Weinen schön. Everybody Must Get Stoned, näselt der Songwriter dem graumelierten Studienrat und der gepiercten BWL-Studentin im Publikum entgegen. Die Beiden und mit ihnen weitere 4000 berauschen sich an den Liedern eines Mannes, der mit seiner Lyrik die Rockmusik vor dem Verblöden bewahrt hat. 

Als Dankeschön feiert ihn Regensburg mit stehenden Ovationen, und 
dem Meister entfährt sogar ein leises "Thank You". Mehr darf man 
wirklich nicht erwarten. Mehr kann man gar nicht erwarten!