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Der Mann mit der Maske
von Bob Dylan
Drei akustische Gitarren und ein Kontrabass:
Im
Country &-Western-Stil beginnt Bob Dylan sein hinreißendes
Konzert in Oberhausen
I am a gambling man - ein Spieler. So stellt er sich korrekt
und
mehrdeutig vor. Der Mann mit der Dylan-Maske ist Bob Dylan.
Wohl
wenige Songschreiber haben ihr Publikum derart provoziert und
irritiert
wie Bob Dylan in den vergangenen 40 Jahren. Es begann 1966,
als er sein Publikum mit einer Handbewegung in der Mitte
spaltete: Er stöpselte
eine elektrische Gitarre in den Verstärker. Das brachte ihm
von ehernen
Folkfans Judas-Rufe ein. Dennoch hat er wie kein Musiker nach
ihm die Pop-Musik beeinflusst.
Weil er sich wandelte, blieb er sich treu. Das verschaffte ihm
die für
seine Arbeit nötige Außenseiter- und Beobachterposition und
bewahrte
ihn davor, vereinnahmt zu werden. Die Poesie seiner Texte, die
Fülle von
Zitaten, die vielen Anleihen bei der amerikanischen
Folk-Kultur und die stilistischen Richtungswechsel schützen
Dylan vor kreativem Stillstand
und vor Festlegungen.
Auf der Bühne steht ein Rock-Anachronismus. Keine
Computer,
keine Laser, keine Video-Wände, nur etwas buntes Licht. Und
doch ist
diese Band die Seele der Rock-Musik, denn in der
Konzentration
auf das Wesentliche liegt auch in der Musik die Kunst. Dylan
ist der
Meister des Weglassens. Und obwohl er in Oberhausen vor
lauter
Spielfreude sogar ab und an lächelt, vernuschelt er
Textsilben, deutet
auf der Gitarre nur an, wohin ein Solo gehen könnte, besitzt
den Mut,
mit der Mundharmonika die Melodie auf drei Töne zu reduzieren
- und
es ist gut.
Mit den Gitarristen Larry Campbell und Charlie Sexton an
seiner Seite
nimmt er in typischer Manier seine unsterblichen Songs
auseinander,
um sie neu zusammenzusetzen. Masters of War wandelt sich
vom
Protestsong zum mit knirschenden Zähnen gesungenen Gebet.
All
Along The Watchtower, Jimi Hendrix hat es einst kongenial
interpretiert,
klingt keine Spur nach Klassiker, sondern frisch und
kraftvoll. Not Dark
Yet, in der Original - Fassung eine seiner dunkelsten
Balladen,
poetisch und todesnah, verleiht Dylan einen heiteren Schimmer,
ohne
dadurch das Lied aus der Balance zu bringen.
Dylan lebt seit zwölf Jahren auf der Straße, mehr als 1200
Konzerte
zählt bisher seine "Never Ending Tour". Warum?
Warum gibt der fast
59-Jährige auf zahllosen Bühnen den Barden für die Menge,
den traurigen Musikanten? Weil es das Leben ist Like
a rolling stone.
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