n.B.u
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Oberhausen 2000
Westdeutsche
Allgemeine
Zeitung
von
Chistopher
Onkelbach



Der Mann mit der Maske von Bob Dylan


Drei akustische Gitarren und ein Kontrabass: 
Im Country &-Western-Stil beginnt Bob Dylan sein hinreißendes Konzert in Oberhausen

I am a gambling man - ein Spieler. So stellt er sich korrekt und 
mehrdeutig vor. Der Mann mit der Dylan-Maske ist Bob Dylan. Wohl 
wenige Songschreiber haben ihr Publikum derart provoziert und irritiert
wie Bob Dylan in den vergangenen 40 Jahren. Es begann 1966, als er sein Publikum mit einer Handbewegung in der Mitte spaltete: Er stöpselte 
eine elektrische Gitarre in den Verstärker. Das brachte ihm von ehernen 
Folkfans Judas-Rufe ein. Dennoch hat er wie kein Musiker nach ihm die Pop-Musik beeinflusst.

Weil er sich wandelte, blieb er sich treu. Das verschaffte ihm die für 
seine Arbeit nötige Außenseiter- und Beobachterposition und bewahrte 
ihn davor, vereinnahmt zu werden. Die Poesie seiner Texte, die Fülle von 
Zitaten, die vielen Anleihen bei der amerikanischen Folk-Kultur und die stilistischen Richtungswechsel schützen Dylan vor kreativem Stillstand 
und vor Festlegungen.

Auf der Bühne steht ein Rock-Anachronismus. Keine Computer, 
keine Laser, keine Video-Wände, nur etwas buntes Licht. Und doch ist
diese Band die Seele der Rock-Musik, denn in der Konzentration 
auf das Wesentliche liegt auch in der Musik die Kunst. Dylan ist der 
Meister des Weglassens. Und obwohl er in Oberhausen vor lauter 
Spielfreude sogar ab und an lächelt, vernuschelt er Textsilben, deutet 
auf der Gitarre nur an, wohin ein Solo gehen könnte, besitzt den Mut, 
mit der Mundharmonika die Melodie auf drei Töne zu reduzieren - und 
es ist gut.

Mit den Gitarristen Larry Campbell und Charlie Sexton an seiner Seite 
nimmt er in typischer Manier seine unsterblichen Songs auseinander, 
um sie neu zusammenzusetzen. Masters of War wandelt sich vom 
Protestsong zum mit knirschenden Zähnen gesungenen Gebet. All 
Along The Watchtower
, Jimi Hendrix hat es einst kongenial interpretiert, 
klingt keine Spur nach Klassiker, sondern frisch und kraftvoll. Not Dark 
Yet
, in der Original - Fassung eine seiner dunkelsten Balladen,
poetisch und todesnah, verleiht Dylan einen heiteren Schimmer, ohne 
dadurch das Lied aus der Balance zu bringen.

Dylan lebt seit zwölf Jahren auf der Straße, mehr als 1200 Konzerte 
zählt bisher seine "Never Ending Tour". Warum? Warum gibt der fast 
59-Jährige auf zahllosen Bühnen den Barden für die Menge, den traurigen Musikanten? Weil es das Leben ist  Like a rolling stone.