n.B.u
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Nürburg 1998
Aus
Man on the Road
von
Christof Graf


Highway 61 - Soundtrack for the German Formular One Road Course
 

Wenn Roskilde die schönste Tochter Woodstocks ist, ist der "Rock am Ring" deren kleine Schwester. Seit 1985 versammelt sich auf der Formel 1-Rennstrecke traditionell an Pfingsten die Creme de la Creme des Musikbusiness, um den "Grand Prix" der Rock- und Popmusik durchzustarten.

Die sich stets aufs Neue häutende Rock-Legende absolvierte ab 21.55 Uhr mit den besten Festival - Gig der vergangenen zehn Jahre. Die medienscheue Ikone verweigerte zwar den für die Videoleinwände zuständigen MTV-Kameraleuten Nahaufnahmen, offerierte aber dennoch ein musikalisches Konzept, das auch für die jüngere Pop-Generation, die am Tag zuvor noch den bizarren Techno-Rockern "Prodigy" gehuldigt hatte, zugänglich war. Maggie´ s Farm war hierfür der optimale Einstieg. Angesichts der ungewohnt rockigen Posen von "Meister Bob" witzelte man im Publikum nach den bereits 1995 in Prag eingeführten Kosenamen "Elvis" und "Frank" Dylan nun über "Bob Travolta". Nichtsdestotrotz, die insgesamt 58000 waren begeistert, obwohl das Gros der Anwesenden definitiv keine typischen Dylan-Konzertgänger waren. Es folgte Senor
ein nicht nur in diesem Rahmen recht traurig klingendes Lied und  
Cold Irons Bound


Ein erster Höhepunkt sollte Just Like A Woman mit seinen langgezogenen
Phrasierungen werden. Nach einem eher zu schnell und hektisch
zerspielten Silvio folgte mit Cocain blues der erste Song des akustischen Sets mit Kontrabass und Mandoline. Für die Menge war natürlich aufgrund des Bekanntheitsgrades Mr. Tambourine Man  der erste Gassenhauer, doch weit besser wirkte das ständig als "work in progress" servierte Tangled up in blue  bei dem immer wieder neue Elemente Herauszuhören sind.

Was danach kam, wird laut Veranstalter Marek Lieberberg, der das Konzert am Bühnenrand miterlebte, in die Annalen des Ring -Rocks eingehen. Bei nieselndem Regen klopfte Dylan an die Himmelstür und offerierte den neuen dark and empty skies - Vers. Doch mit dem folgenden Highway 61 reviseted der auf dieser legendären Rennstrecke nicht fehlen durfte, zog Dylan noch einen zweiten Trumpf aus dem Frackärmel. Zunächst mit der "Bandintroduction" noch die ersten Worte ans Publikum richtend, wandte sich Dylan zu David Kemper und rief Highway - ein Hinweis mit Doppelsinn.Zum einen änderte Dylan nach 
Heaven´s door zum zweiten Mal seine Setlist und zum anderen wollte er wohl damit zu einer besonders rockigen Version aufrufen. Der Band schien es angesichts der ebenso rockigen Stimmung im Publikum nur Recht zu sein. Für die Zugaben reichten die Roadies schon die Akustikgitarre, doch Bob zog es vor bei Watching the river flow und Ballad of a thin man elektrisch weiterzuspielen, ebenso beim letzten der 13 Songs, Til I fell in love with you. Dylan machte an diesem Abend den Nürburgring zu seiner Rennstrecke, deren Tempo kein anderer Act und auch nicht der eigentliche Headliner Genesis gewachsen war.