n.B.u
MÜNSTER 
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MÜNSTER 
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Dylan,,Münster - Halle Münsterland 2000"


Münster 2000
Westfälische
Nachrichten
von
Gunnar A. Pier


Lieder pulsieren und leben
Bob Dylan war bei seinem Besuch in Münster in Sonntagslaune 

Münster . Wer zu Bob Dylan geht, muss ganz schnell vergessen, mit 
wem man es zu tun hat. Wegbereiter der Rockmusik, lebende Legende,
 ohne ihn wäre nichts passiert - ja ja, das stimmt optimistisch, macht aber 
den Abend nicht gut, der Mann ist immerhin schon 59. Wer sich satt 
gesehen hat an der Hakennase, hinter der sich der Wegbereiter der 
Rockmusik, die lebende Legende verbirgt, könnte sich langweilen, 
wenn nichts Gutes mehr kommt. Außerdem soll der Dylan ja so 
launisch sein, manchmal keine Lust haben und statt All Along The 
Watchtower
nur vergessene Lieder von den 4768 Studioalben seiner 
Laufbahn nuscheln. Am Sonntagabend spielte Dylan in der 
halbvollen Halle Münsterland. Ein weiteres Konzert im Rahmen der 
 Neverending -World - Tour, die seit weit mehr als zehn Jahren andauert. 
Manche Leute behaupten, Dylan habe schon in jeder Stadt auf der Welt 
mit mehr als 1000 Einwohnern gespielt. Ob diese Leute spotten oder 
bewundern? 

Dylan hatte am Sonntag offenbar Sonntagslaune. Er hat sogar 
einmal gelächelt, mindestens vier Mal "Thank you"  genuschelt, und 
als er die Band vorstellte, waren recht deutliche Worte zu vernehmen. 

Und vor allem hat er toll gespielt. Erst akustisch. Drei 
wohlklingende Westerngitarren bestimmen den Klang, während 
seine kauzige Stimme satt aus den Boxen schallt. Die Lieder 
pulsieren und leben. Dylan singt richtige Melodien. Spötter sagen, er 
könne gar nicht singen. Doch wer den Sinn dafür hat, ist unweigerlich
berührt von seinem offenen Gesang. Von der ungekünstelten Art. 

Bevor die Schaukelei langweilig wird, greifen Bob und seine beiden 
Co-Gitarristen nach einer dreiviertel Stunde zu Stromgitarren. Jetzt 
ist Schluss mit dem Folk-Puls. Beherzt und beinahe lustvoll greifen sie in die Saiten und stimmen den Hit All Along The Watchtower an. Dann 
kommt auch noch Dignity, und die Fans wundern sich. Schließlich 
hat Bob Dylan alle Welthits ausgelassen, als er 1996 zum letzten 
Mal in Münster war. Diesmal hat er weniger Angst vor den 
Auswüchsen kommerziellen Erfolges und schiebt gleich noch eine zugegebenermaßen etwas minimalisierte Version von Just Like A 
Woman
nach. Kommen jetzt die Klassiker? Geht er bis zum letzten, 
spielt er sogar Knockin'  On Heaven' s Door

Nein nein, erstmals wird's ruhiger. Ein paar Lieder für Eingeweihte. 
Trotzdem mit treibenden Gitarren. His Bobness selbst spielt die Soli. 
Mal sacht, mal brachial. Immer singt er leicht krächzend dazu. Die 
Lampen im Kronleuchter-Stil leuchten schwach weiter. Der Rock 
klingt schmutzig und echt. Da spüren selbst jene ehrfürchtigen Fans, 
die geboren wurden, als Dylan schon seit Jahrzehnten predigte, 
einen Hauch von der Zeit, die gut und alt gewesen sein muss. 
Als Rocken noch Rebellieren war. 

Die Zugaben beginnen mit Love Sick vom jüngsten Album, dann 
kommt die Party. Like A Rolling Stone, später I Shall Be Released. 
Fans singen mit. 

Zum Schluss geht Dylan immerhin beinahe bis zum Letzten und 
traut sich, Blowin' In The Wind zu spielen. 

Nur Dylan darf das noch. 


Dylan,,Münster - Halle Münsterland 2000"