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Lieder pulsieren und leben
Bob Dylan war bei seinem Besuch in Münster in Sonntagslaune
Münster . Wer zu Bob Dylan geht, muss ganz schnell vergessen,
mit
wem man es zu tun hat. Wegbereiter der Rockmusik, lebende
Legende,
ohne ihn wäre nichts passiert - ja ja, das stimmt
optimistisch, macht aber
den Abend nicht gut, der Mann ist immerhin schon 59. Wer sich
satt
gesehen hat an der Hakennase, hinter der sich der Wegbereiter
der
Rockmusik, die lebende Legende verbirgt, könnte sich
langweilen,
wenn nichts Gutes mehr kommt. Außerdem soll der Dylan ja so
launisch sein, manchmal keine Lust haben und statt All Along
The
Watchtower nur vergessene Lieder von den 4768 Studioalben
seiner
Laufbahn nuscheln. Am Sonntagabend spielte Dylan in der
halbvollen Halle Münsterland. Ein weiteres Konzert im Rahmen
der
Neverending -World - Tour, die seit weit mehr als zehn
Jahren andauert.
Manche Leute behaupten, Dylan habe schon in jeder Stadt auf
der Welt
mit mehr als 1000 Einwohnern gespielt. Ob diese Leute spotten
oder
bewundern?
Dylan hatte am Sonntag offenbar Sonntagslaune. Er hat sogar
einmal gelächelt, mindestens vier Mal "Thank you"
genuschelt, und
als er die Band vorstellte, waren recht deutliche Worte zu
vernehmen.
Und vor allem hat er toll gespielt. Erst akustisch. Drei
wohlklingende Westerngitarren bestimmen den Klang, während
seine kauzige Stimme satt aus den Boxen schallt. Die Lieder
pulsieren und leben. Dylan singt richtige Melodien. Spötter
sagen, er
könne gar nicht singen. Doch wer den Sinn dafür hat, ist
unweigerlich
berührt von seinem offenen Gesang. Von der ungekünstelten
Art.
Bevor die Schaukelei langweilig wird, greifen Bob und seine
beiden
Co-Gitarristen nach einer dreiviertel Stunde zu Stromgitarren.
Jetzt
ist Schluss mit dem Folk-Puls. Beherzt und beinahe lustvoll
greifen sie in die Saiten und stimmen den Hit All Along
The Watchtower an. Dann
kommt auch noch Dignity, und die Fans wundern sich. Schließlich
hat Bob Dylan alle Welthits ausgelassen, als er 1996 zum
letzten
Mal in Münster war. Diesmal hat er weniger Angst vor den
Auswüchsen kommerziellen Erfolges und schiebt gleich noch
eine zugegebenermaßen etwas minimalisierte Version von Just
Like A
Woman nach. Kommen jetzt die Klassiker? Geht er bis zum
letzten,
spielt er sogar Knockin' On Heaven' s Door ?
Nein nein, erstmals wird's ruhiger. Ein paar Lieder für
Eingeweihte.
Trotzdem mit treibenden Gitarren. His Bobness selbst spielt
die Soli.
Mal sacht, mal brachial. Immer singt er leicht krächzend
dazu. Die
Lampen im Kronleuchter-Stil leuchten schwach weiter. Der Rock
klingt schmutzig und echt. Da spüren selbst jene ehrfürchtigen
Fans,
die geboren wurden, als Dylan schon seit Jahrzehnten predigte,
einen Hauch von der Zeit, die gut und alt gewesen sein muss.
Als Rocken noch Rebellieren war.
Die Zugaben beginnen mit Love Sick vom jüngsten Album, dann
kommt die Party. Like A Rolling Stone, später I Shall Be
Released.
Fans singen mit.
Zum Schluss geht Dylan immerhin beinahe bis zum Letzten und
traut sich, Blowin' In The Wind zu spielen.
Nur Dylan darf das noch.
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