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Der Meister ist wieder da - Dylan meldet sich zurück.
Was war das? Hat er wirklich etwas gesagt? Oder war es nur
eine
akustische Täuschung? Nein - dafür waren die Worte zu
deutlich. Bob
Dylan hat laut und vernehmlich Thank you ins Mikrofon gerufen.
Und das
nach dem zweiten Lied! Der Abend verspricht interessant zu
werden.
Robert Zimmermann wird sich bei seinem Auftritt in Münster
noch vier
oder fünfmal beim Publikum bedanken und er lässt es sich
sogar nicht
nehmen, in der Mitte des Konzerts seine Musiker persönlich
vorzustellen.
Für seine Verhältnisse ist Bob Dylan an diesem Abend also
regelrecht
gesprächig. Und das hat offensichtlich damit zu tun, dass der
59jährige auf wundersame Weise die Lust an der Musik
wiedergefunden
hat. Vor ein paar Jahren tingelte Dylan übellaunig und selten
nüchtern
durch die deutsche Provinz und selbst die treuesten Fans waren
der
Meinung, den letzten Abgesang einer Ikone erlebt zu haben.
Irrtum.
Dylan meldet sich zurück.
Zwei Gitarristen, ein Bassist und ein Schlagzeugerbegleiten
ihn
auf seiner Mini-Tour durch drei deutsche Städte und mit
dieser Band
fängt Dylan wieder dort an, wo er in den 70er Jahren schon
einmal war.
Mit vollem, prallem, kraftvollem Sound krachen die Gitarren
los. Klassiker wie All Along The Watchtower werden
zu satten Rocknummern und wie die drei Gitarren sich
gegenseitig herausfordern, wie sie miteinander wetteifern
in kurzen, prägnanten und doch verspielten
Soli, das hat große Klasse.
Vor allem aber ist zu spüren, dass die Band Spaß hat an dem,
was sie
dort oben auf der Bühne treibt: Manchmal hat man das Gefühl,
jungen
Musikern irgendeiner Garagenband zuzusehen, die gerade
entdecken,
wie gut sie zueinander passen und völlig berauscht davon
immer weiter
preschen - lustvoll, dynamisch, geradeaus. Von Zeit zu Zeit
schielt
einer der Gitarristen mit einem überraschten Lächeln in den
Augen
herüber in die Bühnenmitte, als wolle er sagen: ,,Der alte
Herr ist
aber heute verdammt gut drauf."
Tatsächlich: Dylan geht in seinen weißen Cowboy - Stiefeln
in die Knie,
er wiegt mit seinem rechten Bein, er reißt bisweilen sogar
seine Gitarre
ein wenig herum - man möchte es fast eine Bühnenshow nennen.
Doch
eigentlich ist alles das völlig nebensächlich. Was zählt,
ist die Musik:
Neben die fulminanten Rocknummern stellt Dylan melodiöse,
ungeheuer ausgereifte Versionen seiner ruhigen Songs. Bei One
Too Many Mornings lässt er zum ersten Mal die
Mundharmonika jaulen, bei
Just Like A Woman schmeichelt die Steel Guitar und Like
A Rolling Stone klingt als verblüffend zarte
Acoustic Jazz-Nummer aus den Boxen. Ein bisschen Country,
ein Hauch Blues, eine Spur Rock’ n Roll: Bob Dylan präsentiert
sich an diesem Abend als Vollblutmusiker, der mit seinen Songs
arbeitet, sie selbst neu entdeckt und verwandelt.
Das alles ist so aufregend und so spannend, dass Dylan selbst
Titel
spielen kann, vor denen man ein bisschen Angst hat: I Shall
Be Released
etwa, das als grandios gefühlvolle und dennoch rauhe Ballade
in den Saal
klingt. Am Ende wagt er sogar jenes Lied, das an hunderttausenden
Lagerfeuern zu Tode geschrammelt wurde: Blowin’ In The
Wind - doch ohne jede verträumte Nostalgie, sondern
sachlich, fast ein bisschen hart, abgeklärt. Und so
wirkt dieser Song noch immer.
Bob Dylan ist wieder da. Besser denn je? Darüber mag man
streiten.
Jedenfalls besser als in vielen, vielen Jahren zuvor. Wie gut
er sich fühlt,
weiß man spätestens nach Like A Rolling Stone. So
begeistert ist das
Publikum in diesem Moment, dass selbst Dylan für einen Moment
nicht anders kann: Er lächelt!
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