n.B.u
MÜNSTER 
REVIEWS

n.B.u
MÜNSTER 
REVIEWS



Münster 2000
Neue
Osnabrücker 
Zeitung
von
Klaus Grimberg


Der Meister ist wieder da - Dylan meldet sich zurück. 

Was war das? Hat er wirklich etwas gesagt? Oder war es nur eine 
akustische Täuschung? Nein - dafür waren die Worte zu deutlich. Bob 
Dylan hat laut und vernehmlich Thank you ins Mikrofon gerufen. Und das 
nach dem zweiten Lied! Der Abend verspricht interessant zu werden. 

Robert Zimmermann wird sich bei seinem Auftritt in Münster noch vier 
oder fünfmal beim Publikum bedanken und er lässt es sich sogar nicht 
nehmen, in der Mitte des Konzerts seine Musiker persönlich vorzustellen. 
Für seine Verhältnisse ist Bob Dylan an diesem Abend also regelrecht 
gesprächig. Und das hat offensichtlich damit zu tun, dass der 
59jährige auf wundersame Weise die Lust an der Musik wiedergefunden 
hat. Vor ein paar Jahren tingelte Dylan übellaunig und selten nüchtern 
durch die deutsche Provinz und selbst die treuesten Fans waren der 
Meinung, den letzten Abgesang einer Ikone erlebt zu haben. Irrtum. 
Dylan meldet sich zurück. 

Zwei Gitarristen, ein Bassist und ein Schlagzeugerbegleiten ihn 
auf seiner Mini-Tour durch drei deutsche Städte und mit dieser Band 
fängt Dylan wieder dort an, wo er in den 70er Jahren schon einmal war. 
Mit vollem, prallem, kraftvollem Sound krachen die Gitarren los. Klassiker wie All Along The Watchtower werden zu satten Rocknummern und wie die drei Gitarren sich gegenseitig herausfordern, wie sie miteinander wetteifern in kurzen, prägnanten und doch verspielten 
Soli, das hat große Klasse. 

Vor allem aber ist zu spüren, dass die Band Spaß hat an dem, was sie 
dort oben auf der Bühne treibt: Manchmal hat man das Gefühl, jungen 
Musikern irgendeiner Garagenband zuzusehen, die gerade entdecken, 
wie gut sie zueinander passen und völlig berauscht davon immer weiter 
preschen - lustvoll, dynamisch, geradeaus. Von Zeit zu Zeit schielt 
einer der Gitarristen mit einem überraschten Lächeln in den Augen 
herüber in die Bühnenmitte, als wolle er sagen: ,,Der alte Herr ist 
aber heute verdammt gut drauf." 

Tatsächlich: Dylan geht in seinen weißen Cowboy - Stiefeln in die Knie, 
er wiegt mit seinem rechten Bein, er reißt bisweilen sogar seine Gitarre 
ein wenig herum - man möchte es fast eine Bühnenshow nennen. Doch 
eigentlich ist alles das völlig nebensächlich. Was zählt, ist die Musik: 
Neben die fulminanten Rocknummern stellt Dylan melodiöse, ungeheuer ausgereifte Versionen seiner ruhigen Songs. Bei One Too Many Mornings lässt er zum ersten Mal die Mundharmonika jaulen, bei
Just Like A Woman schmeichelt die Steel Guitar und Like A Rolling Stone klingt als verblüffend zarte Acoustic Jazz-Nummer aus den Boxen. Ein bisschen Country, ein Hauch Blues, eine Spur Rock’ n Roll: Bob Dylan präsentiert sich an diesem Abend als Vollblutmusiker, der mit seinen Songs arbeitet, sie selbst neu entdeckt und verwandelt. 

Das alles ist so aufregend und so spannend, dass Dylan selbst Titel 
spielen kann, vor denen man ein bisschen Angst hat: I Shall Be Released  
etwa, das als grandios gefühlvolle und dennoch rauhe Ballade in den Saal 
klingt. Am Ende wagt er sogar jenes Lied, das an hunderttausenden Lagerfeuern zu Tode geschrammelt wurde: Blowin’ In The Wind  - doch ohne jede verträumte Nostalgie, sondern sachlich, fast ein bisschen hart, abgeklärt. Und so wirkt dieser Song noch immer. 

Bob Dylan ist wieder da. Besser denn je? Darüber mag man streiten. 
Jedenfalls besser als in vielen, vielen Jahren zuvor. Wie gut er sich fühlt, 
weiß man spätestens nach Like A Rolling Stone. So begeistert ist das 
Publikum in diesem Moment, dass selbst Dylan für einen Moment 
nicht anders kann: Er lächelt!