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Bob Dylans einziges Deutschland - Konzert in Münchens
Olympiahalle
Es war John Lennon, der einmal sagte: "Der Leib des Rock
war Elvis,
Bob Dylan ist sein Geist. "Das Schicksal von Elvis und
Lennon ist
hinlänglich bekannt, und es ist noch nicht lange her, da
schien Bob Dylan
ihnen zu folgen. Eine lebensbedrohliche Herzbeutelinfektion
ließ ihn an die Himmelspforten klopfen, doch er wurde noch
nicht eingelassen. Stattdessen erholte er sich und
spielte, gleichsam als Dank für die verweigerte Türöffnung,
vor Papst Johannes Paul 2.Er nahm seine "Never Ending
Tour" wieder auf, die ihn auch nach München führte
zu seinem einzigen Konzert in Deutschland.
Der Veranstalter hatte
die Arena der Olympiahalle bestuhlen lassen,
schließlich sind die meisten Dylan - Fans aus dem Alter der
wilden Tänze
hinaus. Als eine Stimme über Lautsprecher dann aber
"Mister Bob Dylan" ankündigte, erinnerten sich die
Besucher wohl an ihr erstes Dylan -
Konzert, stürmten zur Bühne und hießen ihr Idol mit
stehenden
Ovationen willkommen.
Dylan kam. Im schwarzen Anzug mit silbernen Steifen an der
Seitennaht, die Gitarre lässig vor der Brust baumelnd, das
Haar wirr
wie immer, stellte sich vor das Mikrofon und ließ ein
Gemurmel hören,
das entfernt an "Thank you" erinnerte. Bei
Konzertbeginn war noch
nicht zu erkennen, welche Art Auftritt dieses Mal zu erwarten
war. Lustlos oder voller Feuer, vielseitig lang oder
beleidigend kurz, alle Variationen kennt man von ihm.
Nach dem ersten Song, Friend of the Devil , schien er
sich entschieden zu haben und nahm John Lennons Satz allzu wörtlich. Eher
an ein Gespenst denn an eine lebende Folk - Legende erinnerte
er, wippte manchmal ein wenig mit dem linken Fuß und
wirkte ansonsten so, als sei er zufällig und eigentlich
gegen seinen Willen auf der Bühne. Routiniert, aber ohne
Enthusiasmus spielt er die Songs herunter, hangelt sich
von Tambourine Man über die Masters of War bis
Hang on Betty Blue.
Vor München war Bob
Dylan in Ischgl im Paznautal aufgetreten, auf
einem Benefizkonzert zu Gunsten der Lawinen- Katastrophen -
Opfer.
Dylan spendete nichts, spielte gelangweilt und ein Kommentator
bewertete seinen Auftritt denkbar ungnädig: "Hätte
er sich die Lawinenschäden angesehen, hätte er
vielleicht doch einen Teil seiner Gage gespendet. Oder wenigstens
besser gesungen". In der gut gefüllten Olympiahalle
schien er an diesem Auftritt anzuknüpfen. Seine Soli
wirkten kraftlos, seine Stimme war dünn, und sein Gesang
noch leiernder als gewöhnlich. So ging es knapp achtzig
Minuten.
Doch als die ersten
Akkorde von Highway 61 Reviseted erklungen waren, änderte
sich alles. Es wurde laut, es wurde kraftvoll, es wurde ein
Rockkonzert. Dylan leierte nicht mehr, er sang. Sein
Gitarrenspiel wurde
stärker, seine Stimme akzentuierter, er ließ sich von
seiner Musik
mitreißen. Mit Love Sick von seinem letzten,
gefeierten Album
Time Out of Mind und - wunderbar - Not Fade Away.
Man war schon
versöhnt für den lahmen ersten Teil, als er zum letzten
Schlag ausholte.
Like a Rolling Stone hat Dylan in den späten
Sechzigern zur Kultfigur
des bürgerlichen Proteste gemacht. Like a Rolling Stone
wollten seine
Fans damals sein, und dieses Lied war der Schlusspunkt des Münchner
Konzertes. Dann war alles Jubel, und Dylan entwischte sogar
ein Lächeln.
Ohne Gruß und ohne Dank ging er, so gefeiert wie er gekommen
war.
Im Juni und Juli wird er gemeinsam mit Paul Simon durch die
Vereingten
Staaten reisen.
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