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Leipzig 2002
Leipziger
Volkszeitung
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Triumph des Troubadours
der Töne
Folk-Legende Bob Dylan begeisterte gestern Abend in
Leipzigs Messehalle 7 über 5000 Fans
In Hamburg war er toll, in Berlin ebenso. Würde Bob
Dylan auch in
Leipzig abräumen? 5000 Fans stellten sich
gestern Abend in der
Messehalle 7 die Frage nach Lust und Laune ihres
Meisters. Doch schon
nach wenigen Takten des Openers Wait For The Light To
Shine waren
die Zweifel ausgeräumt.
"Auf der Bühne bin ich zunächst versteinert -
doch dann wird sie zum
einzigen Platz, an dem man der sein kann, der man
wirklich ist", sagte
His Bobness mal. "Die Bühne ist ein
Allheilmittel, und deshalb können
Musiker nicht ohne sie leben." Die Miene ein Stein, in Country - Kluft und mit weißem
Stetson auf dem genialen Kopf - so trat Bob Dylan der
jubelnden Menge entgegen. Viele fremde Idiome von weit gereisten Dylanologen
schwirrten durch die Luft vor dem schlichten Faltenwurf im Off. Doch
in einem waren sich alle einig: Wie gut, dass diese Stimme immer noch was zu
sagen hat.
Den Oscar - abgestaubt im Vorjahr für den Song Things
Have Changed - dezent auf den Verstärker gestellt, legte der
Troubadour der Töne los.
Es sollte ein Triumph werden. The Times They Are
A-Changin' glänzte
mit einem abenteuerlich pointierten Refrain - wie der
Songname schon
sagt. Schön die Akustik - Verpackung mit Larry
Campbell an der Mandoline - ein eher gemütlicher Start der Gentlemen. Auch
Desolation Row tänzelte relaxt auf dem federnden Drums - Bass - Fundament, das
George Receli und Tony Garnier bereiteten.
Dylan selbst schien anfangs not amused. Zwar flocht er
immer wieder
schöne Soli auf Mundi und Gitarre in die verlegten
Klangteppiche ein.
Doch es dauerte lange (Maggie 's Farm), bis er sich
und seinem Publikum
ein Lächeln gönnte. Auch zum Twisten hatte er erst
später Lust. Dabei
standen schon bald nicht nur die Saiten unter Strom:
Solid Rock war
angesagt - die Stimmung wurde besser. Viele nie
gehörte Arrangements
hatte der inspirierende Mann aus Minnesota im Angebot,
sein
Kojoten-Krächzen inklusive. Manche verwirrten, andere
- wie das als
Schnulze in Pink getauchte Forever Young waren
ironischer Blick in den Spiegel. Bei Onkel Bob ist
eben jeder Abend ein Original, er selbst ist ein 60 Jahre alter Meister,
der die Klangfarben aufträgt.
So war einiges countryfiziert, anderes wie Tangled Up
In Blue
elektrisierte. Summer Days vom Love And Theft -
Album rockte und
rollte. Für manchen Fan ein Mauerblümchen blühte
die Nummer
dank der Spielfreude des Quartetts auf und steigerte
sich in ein furioses
Finale. Das verrockte Cold Irons Bound hätte gut der
Schlusspunkt sein
können. Doch Not Fade Away, Like a RollingStone und
Blowin' In The Wind
krönten gegen 22.15 Uhr die Zugaben. Toller Abend,
doch mit Reserven: Denn manchmal spielt Dylan auf dieser Tour
noch
Highway 61 Revisited.
Vielleicht heute in Hannover?
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