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Bob Dylan fasziniert in
der Stadionsporthalle Hannover
Der helle Südstaatenanzug sitzt perfekt, über der Schleife
am Hals
ragt der wuschelige Kopf hervor. Zugeknöpft wirkt das auf den
ersten
Blick, wie das passende Outfit eines großen alten Grantlers
und
nörglerischen Eigenbrötlers - wie man Bob Dylan eben kennt.
Doch
schon beim zweiten Titel, The Times They Are A-Changing,
den der
Altmeister des Folkrock am gestrigen Abend in der
hannoverschen Stadionsporthalle anstimmt, machen sich Verzückung
und Jubel breit:
Er ist gut drauf. Dylan hat durch frühere, eher desolate
Auftritte in
Hannover nicht unbedingt neue Freunde gewonnen, doch wer ihn
schätzt, lässt sich von vergnatzten, vernuschelten und früh
beendeten
Konzerten nicht vergraulen - das ist nun mal das ungeschminkte
Gesicht des Meisters, das ist ehrlich, wenn auch ärgerlich.
Dafür zieht er heute die 3500 Menschen in seinen Bann. Natürlich
gibt's auch diesmal kein persönliches Wort, und das ihm
eigene
verhuschte Singen ist auch nicht grundlegend anders geworden -
aber,
siehe, zu Desolation Row schlenkert er gar mit einem Bein. Die
Band spielt zurückhaltend, aber schwungvoll; zwei akustische
Gitarren
ein Kontrabass und ein Schlagzeug begleiten Strophe um
Strophe, Solo
um Solo Dylans. ,,Tääängled up in blue", geradezu übermütig
,,intoniert",
macht die ganze Größe dieser charismatischen Stimme
deutlich: Schneidend-schlunzig, nuschelig-nasal, aber sie
bestimmt das
Geschehen. Sie fasziniert.
Er, der Mitte der sechziger Jahre den Folk um den Rock
erweiterte,
indem er plötzlich zur E-Gitarre griff, der die Rockmusik von
der
Banalität befreite, der 40 Jahre seinen Weg ging, ohne sich
um Kommentare von Kritikern zu kümmern, er spielt auch
kurz vor seinem 59. Geburtstag einen Mix aus Folk,
Country, Blues und Rock‘n' Roll.
Zur Mitte des Konzerts wird es zupackender, elektrische
Instrumente
greifen ein, das Prinzip aber bleibt: Rund schaukelt die
Musik, scharf
schneidet der Text. ,,Die Melodie ist unwichtig", hat
Dylan vor 34
Jahren einem Journalisten erzählt, ,,die kommt einfach
so."
Auch wenn man Dylan, der der Öffentlichkeit gegenüber schon
immer
wenig auskunftsfreudig war - Fotografen sind bei dieser
Tournee erst
gar nicht zugelassen - nicht jede Interview-Antwort abnehmen
sollte:
Hier könnte er es ernst gemeint haben. Zumal er live seine
Klassiker in
immer wieder neue Formen packt, und dabei schließt er
die Melodien
nicht aus. "Welches Stück ist das?" "Ich
glaube...nein..." ist ein oft gehörter Dialog unter
Zuhörern. Begeisterter Applaus ruft Dylan nach 90 Minuten zum
Zugabenblock. Satter Rock beschließt den Abend, darunter Like
a rolling Stone, durchaus zum Wiedererkennen. Und es ist nicht
nur Nostalgie, die diesen Abend so großartig werden lässt:
Ein Klassiker lebt.
Und ist gut drauf.
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