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Dylans lässiger Triumph -
zwei Daumen rauf
Bei seinem
Auftritt in Hamburg verzichtete Bob Dylan darauf, sich als
Ikone zu stilisieren. Er blieb ganz bei sich, machte seine
Musik und sorgte so für einen großartigen Abend.
Der Mann braucht keine blinkenden
Videoleinwände wie tags zuvor David Bowie, der am Donnerstag
in Hamburg leider erbärmlich müde aufspielte; der Mann
braucht keine ranschmeißerischen Grußadresssen ans Publikum
von der Sorte "Guten Abend, Hamburg"; ach was, Bob
Dylan hat's nicht mal nötig, wie fast jeder Bandleader der
Welt in der Bühnenmitte herumzuhüpfen, damit auch jeder
Zuschauer merkt, wer dort oben der Boss ist. Dylan war am
Freitagabend zum Start seiner Deutschlandtour fürs Publikum
im Hamburger Musikclub "Docks" mehr als zwei Stunden
lang der Mann links außen.
Souveräner Herrscher und zauselige
Diva in Personalunion, machte er sich am Rand des Geschehens
mit flinken Fingern und leicht gebeugtem Rücken an einem
Keyboard zu schaffen - und sang sich mit ausgeruhter und bei
aller Raukehligkeit erstaunlich wohlklingender Stimme durch
sein seit Jahren nur mit allergrößter Vorsicht verändertes
Live-Repertoire. Wie immer gab's die ganz großen Knaller,
hier also "All Along The Watchtower" und "Like
A Rolling Stone", erst kurz vor Schluß; wie immer gab's
schön irritierende Momente, weil man alte Klassiker wegen
seltsamer Beats und veränderter Melodien kaum wiedererkannte.
Bei "Love minus zero" und "If you see her say
hello" schien's glatt so, als singe der die Texte zum
jeweils anderen Arrangement. Und immer dann, wenn Dylan an
diesem Abend besonders gut gelaunt war, bewegte er sich mit
schwankendem Seemansgang ein paar Schritte an die
Bühnenrampe, strahlte ins Publikum und hob seine beiden
Daumen - als wolle er die Menschen ermutigen: Jubelt nur
weiter so!
Egal: Es war ein ganz und gar
großartiges Konzert in ziemlich intimer Clubatmosphäre;
eines, das Dylan ganz bei sich und lässiger denn je in der
Form seines Lebens zeigte; und eines, das mit aller Kraft
bewies, das der kurzgewachsene Mann aus Hibbing/Minnesota
keinesfalls nur noch als Heiligenfigur für die Anhänger
einer bizarre Sekte taugt, die oft nervtötende (wenngleich
mir sehr sympathische) Gemeinde der Dylanologen.
Im Ernst neigen übrigens nicht nur
die allzu ergebenen Fans dazu, den Meister Dylan bisweilen
schwer zu überschätzen - das passiert auch dem Künstler
selbst. Als Schauspieler soll er bei seinem jüngsten Auftritt
im US-Film "Masked and Anonymous" zum Beispiel die
blanke Katastrophe sein. So ähnlich verhält sich's auch mit
der Rolle des Erleuchteten, die ihm ein harter Kern von
Jüngern zutraut: Jener Bob Dylan, der da auf der Hamburger
Bühne ohne Schnörkel und mit einer formidablen Band im Kreuz
seine Kunst zeigte, ist kein zerlumpter Erlöser und noch
nicht mal ein neuer Moses - aber warum sollten wir deshalb
traurig sein? Ein großer,verwegener, unermüdlich am eigenen
Werk weiterfeilender Musiker ist wunderbar genug.
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