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Bob Dylan: der Gralshüter in höchster
Konzentration
Er hätte ja wenigstens Danke sagen können, maulte ein 17-jähriges
Mädchen am Ende von Bob
Dylans Konzert in der Sporthalle.
Doch "His Bobness" ist eben kein freundlich
grinsender
Teenieschwarm, sondern ein extrem verschlossener Musiker.
Dabei zeigte sich der Pop-Poet an diesem Abend so, wie man ihn bei seinen
Hamburger Auftritten in den vergangenen zehn Jahren nicht
erlebt hat: hoch konzentriert, zuweilen freundlich lachend und am Ende nach
fast zwei Stunden Konzert dem kundigen und vor Begeisterung ausrastenden
Publikum applaudierend. Gleich zu Beginn des Abends brach der
59 Jahre alte Ausnahmemusiker den Pünktlichkeitsrekord. Während
viele Fans noch auf den Gängen standen, stimmte Dylan um
19.58 Uhr
den ersten Song an - von einer vierköpfigen Band akustisch
begleitet.
Der Abend wurde zu einer Zeitreise durch Dylans Riesenwerk
und
durch die Genres amerikanischer Songkultur. Schon immer ist
der
Blues ein wichtiges Element in Dylans Oeuvre gewesen, durch
den
Gitarristen Charlie Sexton erhielt es zusätzliches Gewicht.
Aber
Dylan unternahm auch Ausflüge in Hillbilly und Country &
Western.
Modisches hat keinen Platz in Dylans Repertoire, er ist ein
Gralshüter traditioneller amerikanischer Musik. Seine Songs
steckt er oft in neue
Gewänder. Zum Beispiel Blowin' In The Wind, immer noch
die Nummer
eins an den Lagerfeuern der westlichen Welt. Dylan gab diesem
Song mehr Tempo und phrasierte den Text neu. Tombstone Blues kam als
laute Elektro-Blues, und als er Highway 61 Revisited als rasanten
Blues
anstimmte, begannen die 3000 Fans zu tanzen.
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