n.B.u
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Bob Dylan in Frankfurt  2003 - Bootlegcover


Frankfurt 2003
Wiesbadener
Kurier
von
Herbert Heil

 

Erfüllte Leidenschaft

Bob Dylan will es in der Jahrhunderthalle noch einmal wissen

Herbert Heil

Geliebt haben seine Fans ihn immer. In guten wie in schlechten Tagen. Schließlich ist Bob Dylan die zeitgemäß-unzeitgemäße Ikone, der ewig nuschelnde Außenseiter geblieben. Sogar seine Mundharmonika kann plötzlich so schön klingen. Und zur Verheißung wird ein Dylan-Konzert, wenn, wie jetzt in der ausverkauften Höchster Jahrhunderthalle geschehen, auch alles drumherum bis aufs i-Tüpfelchen stimmt. Seine vierköpfige Begleitband ist eine Offenbarung, der Sound gut abgemischt, und Dylan nimmt seine alten Songs auseinander, dass es eine wahre Pracht ist. Dylan - inzwischen 62-jährig - at his best. Man hat den Eindruck, der Mann will es noch mal wissen.

Und er zeigt seinen Fans, was er noch drauf hat. Das ist eine ganze Menge. Aus dem reichen Fundus von beinahe 50 Alben rekrutiert sich das Songmaterial. Eines der ganz großen Werke gleich als Nummer 2: "It's All Over Now, Baby Blue". Dylan zersägt das Lied regelrecht. Der schmächtige Überlebenskünstler krächzst wie ein heiserer Rabe. Erfüllte Leidenschaft ist das. Dann ein fetter Bluesrock, changierende Tempi. Der Wiedererkennungswert der Songs geht stark gegen Null. Kaum ein Stück, bei dem Dylan nicht das Zeilenende fragend hoch zieht. Manchmal wirkt diese Marotte ein wenig gekünstelt. Dann gibt der Meister wieder Gas, seine vier Musiker spielen, dass man seekrank wird, so halsbrecherisch schlingert der Sound dahin.

Das alles hat Drive, dem man sich nicht entziehen kann kann. Ein beklemmendes "Standing In The Doorway", dann der "Dirt Road Blues ". Die Band klingt jetzt wie eine veritable Jazzcombo. New Orleans und Cajun grüßen aus der Ferne. Und auch Country-Feeling ist gut vertreten.

Vorbei die Zeiten innerer Wut und Zerrissenheit, als Dylan dem Publikum den Rücken zukehrte. Heute wirkt er lässig und abgeklärt. Er hämmert dann und wann auf seinem E-Piano herum, hat am linken Bühnenrand Position bezogen. Zur Gitarre greift er in Frankfurt nicht, dafür öfter zur Mundharmonika.

Dylan, der Poet, lässt es mehr als einmal krachen. Das kommt bisweilen einem Hard-rock recht nahe und Dylan genießt es sichtlich hart rockende Jungs neben sich zu wissen. Er hat die Gabe, seine alten Klassiker neu zu erfinden. Zumindest vermag er diese Illusion zu erzeugen.

Dazu braucht es geeignete Musiker wie Tony Garnier und Larry Campbell, aktuell ergänzt um den flexiblen Schlagzeuger George Recile und den vorwärtstreibenden Gitarristen Freddie Koella, der den bisherigen Stammsaitenzupfer Charlie Sexton abgelöst hat. Und die Sound-Maschine powert weiter. Aufgekratzt swingend wirken die "Summerdays" und dann ein gespenstisch holpriger, metallischer "Highway 61 Revisited". Ein uralter Straßenfeger mit apokalyptischen Versen. Als Zugabe dann "Like A Rolling Stone" und das schnelle und kraftvolle "All Along The Watchtower", das lang und länger wurde und das gewiss als Glanzpunkt eines großen Konzerts bezeichnet werden darf.

Wie schrieb einst das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" über Dylan: Er, Dylan, ist für die Popmusik das Gleiche wie Einstein für die Physik. Stimmt wohl nicht ganz, aber die Dylan-Fans wissen, was gemeint ist.


Bob Dylan in Frankfurt  2003 - Bootlegcover