n.B.u
FRANKFURT 
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Frankfurt 2002
Offenbach Post
von
Thomas Kirstein


Klampfen-Nostalgie aus dem Saal gerockt

Sie hätten ja so gern noch eine Zugabe gehabt. Aber nach fünfen
war Schluss, da konnten die mehr als 3000 in der Jahrhunderthalle
ihr Idol feiern, wie sie wollten. Nachdem der letzte Akkord eines
erstaunlich unpeinlichen Blowin' in the Wind verweht war, gingen
die Lichter auf der Bühne aus.
n.

Mehr Leistung wäre nach fast zweieinhalb Stunden voller Dynamik
und Spielfreude einem 60-Jährigen womöglich auch nicht zuzumuten
gewesen: Bob Dylan - oft unberechenbar, diesmal gut gelaunt
wirkend - hat sich in Höchst wahrlich nicht lumpen lassen. Die
künstlerisch oft totgesagte, tatsächlich aber springlebendige
Legende bereitete besonders jenen Fans eine positive Überraschung,
die sich nach lustlosen Auftritten in den 90ern eine zehnjährige
Auszeit vom mutwilligen Liedermeucheln während der 1988
begonnenen "Never Ending Tour" verordnet hatten.

Der 15. April 2002 versöhnt mit allem. Es war ein prima Konzert, zu
Recht bejubelt von einem Publikum, dessen Zusammensetzung aus
Jung und Alt Dylans Status als ewige Folk- und Rocklegende
unterstreicht. Der in Ehren ergraute Spät - Hippie ist Lehrer geworden
und bringt seinen halbwüchsigen Sohn mit; die Mittfünfzigerin tanzt
synchron mit der Tochter in den Mittzwanzigern. Zum Entertainer,
der Generationen verbindet, ist der zornige Rebell der 60er Jahre
geworden.


Bob Dylan spielt auf seiner Tour viele Klassiker und einige Stücke der
neuen und hoch gelobten CD Love and Theft. Wer genügend Geld,
Zeit und Hingabe an den Meister aufbringt, kann ihm von
Konzerthalle zu Konzerthalle folgen und so das fast komplette
Dylansche Oeuvres live erleben: Denn kein Set der Europa-Rundreise
ist mit einem anderen identisch; das Frankfurter Publikum mag 
All Along The Watchtower vermissen, genießt aber ein wunderbares
Knockin' On Heaven's Door, auf das andere verzichten müssen.

Welche es auch immer sind, auf jeder Spielliste stehen stets
genügend Beiträge des Robert A. Zimmermann zur ewigen
Rockgeschichte - wie die Konstante Like A Rolling Stone durchweg
frisch und unverbraucht serviert. Auch dank einer inspirierten Band,
deren Zusammenspiel mit dem Chef erst gar keinen Gedanken an
Lagerfeuer-Klampfen-Romantik erlaubt. Die engagierte Truppe lässt
es bei Solid Rock oder Summer Days wie zu besten
Hardrock-Tagen kräftig krachen, die Mannen jammen und swingen
jeden Anflug überlebter Nostalgie aus der Halle. Wen stört es da,
dass der Mann mit dem schwarzen Cowboyhut seine tausendfach
nachgespielten Melodien längst auf einen nur mäßig modulierten
Grundkrächzer mit anschließendem Fünf-Töne-Sprung reduziert?

Niemanden: Denn es war eine rundum große Show.