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Klampfen-Nostalgie aus dem Saal gerockt
Sie hätten ja so gern noch eine Zugabe gehabt. Aber
nach fünfen
war Schluss, da konnten die mehr als 3000 in der
Jahrhunderthalle
ihr Idol feiern, wie sie wollten. Nachdem der letzte
Akkord eines
erstaunlich unpeinlichen Blowin' in the Wind verweht
war, gingen
die Lichter auf der Bühne aus.n.
Mehr Leistung wäre nach fast zweieinhalb Stunden
voller Dynamik
und Spielfreude einem 60-Jährigen womöglich auch
nicht zuzumuten
gewesen: Bob Dylan - oft unberechenbar, diesmal gut
gelaunt
wirkend - hat sich in Höchst wahrlich nicht lumpen
lassen. Die
künstlerisch oft totgesagte, tatsächlich aber
springlebendige
Legende bereitete besonders jenen Fans eine positive
Überraschung,
die sich nach lustlosen Auftritten in den 90ern eine
zehnjährige
Auszeit vom mutwilligen Liedermeucheln während der
1988
begonnenen "Never Ending Tour" verordnet
hatten.
Der 15. April 2002 versöhnt mit allem. Es war ein
prima Konzert, zu
Recht bejubelt von einem Publikum, dessen
Zusammensetzung aus
Jung und Alt Dylans Status als ewige Folk- und
Rocklegende
unterstreicht. Der in Ehren ergraute Spät - Hippie
ist Lehrer geworden
und bringt seinen halbwüchsigen Sohn mit; die Mittfünfzigerin
tanzt
synchron mit der Tochter in den Mittzwanzigern. Zum
Entertainer,
der Generationen verbindet, ist der zornige Rebell der
60er Jahre
geworden.
Bob Dylan spielt auf seiner Tour viele Klassiker und
einige Stücke der
neuen und hoch gelobten CD Love and Theft. Wer
genügend Geld,
Zeit und Hingabe an den Meister aufbringt, kann ihm
von
Konzerthalle zu Konzerthalle folgen und so das fast
komplette
Dylansche Oeuvres live erleben: Denn kein Set der
Europa-Rundreise
ist mit einem anderen identisch; das Frankfurter
Publikum mag
All Along The Watchtower vermissen, genießt aber ein
wunderbares
Knockin' On Heaven's Door, auf das andere verzichten
müssen.
Welche es auch immer sind, auf jeder Spielliste stehen
stets
genügend Beiträge des Robert A. Zimmermann zur
ewigen
Rockgeschichte - wie die Konstante Like A Rolling
Stone durchweg
frisch und unverbraucht serviert. Auch dank einer
inspirierten Band,
deren Zusammenspiel mit dem Chef erst gar keinen
Gedanken an
Lagerfeuer-Klampfen-Romantik erlaubt. Die engagierte
Truppe lässt
es bei Solid Rock oder Summer Days wie zu besten
Hardrock-Tagen kräftig krachen, die Mannen jammen und
swingen
jeden Anflug überlebter Nostalgie aus der Halle. Wen
stört es da,
dass der Mann mit dem schwarzen Cowboyhut seine
tausendfach
nachgespielten Melodien längst auf einen nur mäßig
modulierten
Grundkrächzer mit anschließendem Fünf-Töne-Sprung
reduziert?
Niemanden: Denn es war eine rundum große Show.
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