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Frankfurt 1996
aus
Man on the Road
von
Christof Graf





A Shy Smile in  Frankfurt

...Vorbei die Zeiten, in denen sein nasaler Sprechgesang nur Klägliches 
Abbild seiner selbst war, höhnische Selbst-Parodie eines Mannes der 
schließlich nicht nur Grundsteine, sondern ganze Mauern für die Musik 
von Generationen gelegt hatte, verzweifelter Kampf mit dem Alter Ego war. Vorbei die Zeiten, in den seine Interpretationen die Songs in einem Meer aus Pein und Schmerz ertränkte.

1996 brachte der Barde seine beste  Seite zur Geltung, eine Seite, die zeigt, wie groß Dylans Erfindungs - und Variantenreichtum ist. Mit zusammengekniffenen Augen, in weißem Designer-Hemd rockt er in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper mit  Drifter´s Escape los, in einem 
Stück  aus dem John Wesley Hardin´ - Album, das derart umarrangiert ist, dass es selbst von einem eingefleischten Dylan-Spezialisten nicht auf Anhieb erkannt wird. Und auch die weiteren fünf Songs des elektrischen Auftakt -Sets wirken rockiger denn je. Dylan gibt sich über die Reaktionen des Publikums sichtlich amüsiert, was sich anfangs nur durch das eine oder andere scheue Lächeln zeigt. Dann jedoch sieht der staunende Beobachter immer öfter ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Rockmeisters, der auf ein und denselben Tönen herumreitet und dabei doch recht unbeholfen um das Mikrofon schleicht.

Das knapp zweistündige Konzert besticht durch glasklaren Sound und durch das ungeheuer selbstbewusst wirkende Selbstverständnis des "Meisters". Dylan versteckt sich nicht mehr im Schatten seiner Werke, sondern führt sie durchs Licht. Dazu passt die für Dylan-Konzerte ungewöhnlich hell choreographierte Light - Show. Schön, Dylans Mimik auch einmal aus den hinteren Reihen beobachten zu können. Schön, mit anzusehen, dass er nicht mehr nur leidet, sondern sein einstiges Leiden wieder zur Freude verkehrt hat.