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A Shy Smile in Frankfurt
...Vorbei die Zeiten, in denen sein nasaler Sprechgesang nur
Klägliches
Abbild seiner selbst war, höhnische Selbst-Parodie eines
Mannes der
schließlich nicht nur Grundsteine, sondern ganze Mauern für
die Musik
von Generationen gelegt hatte, verzweifelter Kampf mit dem
Alter Ego war. Vorbei die Zeiten, in den seine
Interpretationen die Songs in einem Meer aus Pein und
Schmerz ertränkte.
1996 brachte der Barde
seine beste Seite zur Geltung, eine Seite, die zeigt, wie
groß Dylans Erfindungs - und Variantenreichtum ist. Mit
zusammengekniffenen Augen, in weißem Designer-Hemd rockt er
in der ausverkauften Frankfurter Alten Oper mit Drifter´s
Escape los, in einem
Stück aus dem John Wesley Hardin´ - Album, das derart
umarrangiert ist, dass es selbst von einem
eingefleischten Dylan-Spezialisten nicht auf Anhieb erkannt
wird. Und auch die weiteren fünf Songs des elektrischen
Auftakt -Sets wirken rockiger denn je. Dylan gibt sich über
die Reaktionen des Publikums sichtlich amüsiert, was
sich anfangs nur durch das eine oder andere scheue Lächeln
zeigt. Dann jedoch sieht der staunende Beobachter immer
öfter ein breites Grinsen auf dem Gesicht des Rockmeisters,
der auf ein und denselben Tönen herumreitet und dabei
doch recht unbeholfen um das Mikrofon schleicht.
Das knapp zweistündige
Konzert besticht durch glasklaren Sound und durch das
ungeheuer selbstbewusst wirkende Selbstverständnis des
"Meisters". Dylan versteckt sich nicht mehr im
Schatten seiner Werke, sondern führt sie durchs Licht.
Dazu passt die für Dylan-Konzerte ungewöhnlich hell
choreographierte Light - Show. Schön, Dylans Mimik auch
einmal aus den hinteren Reihen beobachten zu können. Schön,
mit anzusehen, dass er nicht mehr nur leidet, sondern
sein einstiges Leiden wieder zur Freude verkehrt hat.
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