n.B.u
SHOW 
DÜSSELDORF

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Bob Dylan in Duesseldorf 2003 - Bootlegcover


Düsseldorf 2003

NRZ
von
Jörg Bartel


Einmalig wie immer

Wieder zwischen Himmel und Hölle: Bob Dylans Konzert in Düsseldorf.

Er hätte statt mit Down Along the Cove mit einem 
seiner 100 ewigen Songs beginnen können; er hätte den ganzen 
Samstagabend lang einen Hit nach dem andern runternäseln können,
grad so, wie er mal klang; er hätte in der Philipshalle tüchtig die Gitarre 
rupfen oder das Mikro überm Keyboard etwas höher schrauben 
können: Er hätte sich mit seinen 62 Jahren nicht zwei Stunden bücken 
müssen. Er müsste durchaus nicht wie ein verhutzelter Salon-Cowboy im 
Long Black Coat herumtippeln, und er hätte uns durchaus mal grüßen 
dürfen, der Mr Bob Dylan. Tut er aber nicht, tat er aber nicht, und ein 
Bildnis durfte man sich auch nicht machen: Fotoverbot. Aber es war 
trotzdem ein großartiges Konzert, das letzte seiner Deutschland-Tour, 
einmalig wie alle seine Konzerte.

Einmalig? Dylanisten und Dylanologen, denen 100 Euro für eine 
rote Dylan-Decke (mit Fransen) nicht zu teuer sind, werden notiert 
haben, dass er erstmals auf der Tour sein I´ll Remember You 
losschlendern ließ, eine unverschämte Schnulze - und ein 
wunderland-unmäßiges Tweedle Dee and Tweedle Dum hinterhetzte; 
dass er sein unsterbliches Liebeslied Love Minus Zero aufs Spiel setzte 
und am Ende gewann, um dann ein It´s Alright, Ma losstampfen, 
-dröhnen, -peitschen zu lassen, das die Trommelfelle mürbe paukte. 
Einmal in Spiellaune, schickte er sein langhaariges Girl of the North Country als akustisches Saitenkonzert auf und davon, fing es 
aber mit einer kurzen Endlosschleife auf der Harp wieder ein, um dann 
auf Highway 61 ein brutales Stahl-Rock-Inferno zu entfesseln: 
Dylan spielte Weltkrieg III. Hat er je lauter gespielt? Lauterer? Geich 
danach ein Tryin to Get to Heaven, das leiser, weiser, frommer 
auch in Papstes Ohren nicht geklungen haben kann.

Ein Höhepunkt: die Summerdays, kurz vor den Zugaben, quasi 
1:1 gespielt, es ist ja noch jung und noch nicht Forever. Ja, das 
Song-Raten bei Dylan-Konzerten hat was Eitel-Esoterisches. Aber es 
gelingt diesem Rumble-Stilz bis heute, seine exzellenten Musiker 
(wie den famosen Gitarristen Freddie Koella) - diesmal durch inbrünstig 
terroristische Akte auf dem Keyboard - in kreative Verzweiflungen zu 
stürzen und Klänge und Gefühle und Lebensrhythmen musikalisch 
zu versöhnen, zwischen denen 40 Jahre liegen. Wieder skelettiert er 
seine, unsere Song-Ikonen, bis lauter spitze Rippen hervorstechen - und 
macht alles, alles mit ein paar Phrasen auf der Bluesharp wieder heile. 
Das darf und kann nur Dylan.


Bob Dylan in Duesseldorf 2003 - Bootlegcover