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Einmalig
wie immer
Wieder zwischen Himmel und Hölle: Bob Dylans Konzert in Düsseldorf.
Er
hätte statt mit Down Along the Cove
mit einem
seiner 100 ewigen Songs beginnen können; er hätte
den ganzen
Samstagabend lang einen Hit nach dem andern
runternäseln können,
grad so, wie er mal klang; er hätte in der
Philipshalle tüchtig die Gitarre
rupfen oder das Mikro überm Keyboard etwas höher
schrauben
können: Er hätte sich mit seinen 62 Jahren
nicht zwei Stunden bücken
müssen. Er müsste durchaus nicht wie ein
verhutzelter Salon-Cowboy im
Long Black Coat herumtippeln, und er hätte
uns durchaus mal grüßen
dürfen, der Mr Bob Dylan. Tut er aber nicht,
tat er aber nicht, und ein
Bildnis durfte man sich auch nicht machen:
Fotoverbot. Aber es war
trotzdem ein großartiges Konzert, das letzte
seiner Deutschland-Tour,
einmalig wie alle seine Konzerte.
Einmalig?
Dylanisten und Dylanologen, denen 100 Euro für
eine
rote Dylan-Decke (mit Fransen) nicht zu teuer
sind, werden notiert
haben, dass er erstmals auf der Tour sein I´ll
Remember You
losschlendern ließ, eine unverschämte
Schnulze - und ein
wunderland-unmäßiges Tweedle Dee and
Tweedle Dum hinterhetzte;
dass er sein unsterbliches Liebeslied Love
Minus Zero aufs Spiel setzte
und am Ende gewann, um dann ein It´s
Alright, Ma losstampfen,
-dröhnen, -peitschen zu lassen, das die
Trommelfelle mürbe paukte.
Einmal in Spiellaune, schickte er sein
langhaariges Girl of the North Country
als akustisches Saitenkonzert auf und davon,
fing es
aber mit einer kurzen Endlosschleife auf der
Harp wieder ein, um dann
auf Highway 61 ein brutales
Stahl-Rock-Inferno zu entfesseln:
Dylan spielte Weltkrieg III. Hat er je lauter
gespielt? Lauterer? Geich
danach ein Tryin to Get to Heaven, das
leiser, weiser, frommer
auch in Papstes Ohren nicht geklungen haben
kann.
Ein Höhepunkt:
die Summerdays, kurz vor den Zugaben,
quasi
1:1 gespielt, es ist ja noch jung und noch
nicht Forever. Ja, das
Song-Raten bei Dylan-Konzerten hat was
Eitel-Esoterisches. Aber es
gelingt diesem Rumble-Stilz bis heute, seine
exzellenten Musiker
(wie den famosen Gitarristen Freddie Koella) -
diesmal durch inbrünstig
terroristische Akte auf dem Keyboard - in
kreative Verzweiflungen zu
stürzen und Klänge und Gefühle und
Lebensrhythmen musikalisch
zu versöhnen, zwischen denen 40 Jahre liegen.
Wieder skelettiert er
seine, unsere Song-Ikonen, bis lauter spitze
Rippen hervorstechen - und
macht alles, alles mit ein paar Phrasen auf
der Bluesharp wieder heile.
Das darf und kann nur Dylan.
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