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Zauberer im Welttheater
Blumen und Glückwünsche
für Bob Dylan zum Geburtstagskonzert in Dresden
Dresden. Angekündigt wurde er fast wie ein Anfänger in den 60er
Jahren: "Bob Dylan and his Band - live on stage - in person - don't you dare miss it", steht um ein unscharfes Foto auf den fast dilettantisch
wirkenden Plakaten. Doch die sind, könnte man annehmen, Teil der
Inszenierung, die da heißt "Bob Dylan spielt Bob Dylan". Soll heißen: Jedes Konzert ist wie ein neuer Anfang, auch für Robert
Zimmerman.
Aus ganz Südostdeutschland jedenfalls folgten die Dylan-Jünger, die
mitunter schon etwas in die
Jahre gekommen sind, der Aufforderung und
füllten am Mittwoch Abend die Junge Garde in Dresden ganz ordentlich.
Einige hundert freilich verzichteten auf den Anblick ihres Helden
und
hörten draußen vor dem Maschendrahtzaun zu - kein Wunder beim
stolzen Eintrittspreis von 74 Mark. Drinnen nahm unterdessen das
Welttheater seinen Lauf. Prolog:"Happy Birthday, dear Bob", begrüßt der Dylan-Fanclub Zwickau sein Idol und empfiehlt zum 59.
Geburtstag:
Forever Young. Andere werfen Dylan etwas vor, zum Beispiel ein paar
Blumen. Dann stolpert die Band mit dem vielseitigen Gitarristen Larry
Campbell, Charlie Sexton an der zweiten Gitarre, Tony Garnier
(Bass) und Schlagzeuger David Kemper auf die Bühne, als hätte sie
mit ihrem Frontmann schon ein bisschen vorgefeiert. Doch der Schein
trügt. Die Kapelle,
dylan - erfahren, macht ihre Sache gut, ganz gleich,
ob akustisch oder elektrisch. An die Genialität von The Band oder anderer Begleitgruppen aus den 60er und 70er Jahren
kommt sie freilich nicht heran.
Erster Akt: Woher wir kommen, wohin wir gehen.
Die Band beginnt akustisch mit Roving Gambler. Dylan ganz in Schwarz
mit weißen Streifen, auch die spitzen Schuhe in Schwarzweiß, ist ein
Spieler, ein Zauberer, ein
Clown. Mit gewandten Worten verwandelt er
die fremde Welt in seine eigene. Doch die hat sich in den 40 Jahren
nicht so sehr verändert, dass seine Lieder ihr nichts mehr
sagen
würden. Das spricht gegen die Welt und für die Songs, auch wenn Lieder
die Welt nicht ändern können. Das Konzert lebt von der Illusion, sie
könnten es doch. Eine Reverenz an den Blues und an den Ziehvater,
Song to Woody, Masters of War, Tangled up in Blue: So war das damals, wir haben dasselbe gefühlt, jeder von seinem Standpunkt aus, aber all die Leute von früher haben sich verändert,
nur ich bin immer noch unterwegs.
Zweiter Akt: Shakespeare im Narrenkleid.
Nicht ohne Ironie steigt die Band auf Stromgitarren um: "I love that
Country Pie". Aber Country ist erst einmal vorbei. Jetzt gibt es keine
Buhrufe mehr, wenn Dylan elektrisch rockt und rollt. Entspannt und
lächelnd arbeitet sich die Band durch vier Jahrzehnte Dylan-Repertoire,
unter anderem mit dem surrealistisch-ausweglosen
Stuck inside of Mobile with that Memphis Blues again - über die Stadt
mit den zugeschweißten Briefkästen und dem Irren, der in ein Feuer
auf der Hauptstraße schießt. Soll das wirklich schon das Ende sein?
Nach einer knappen Stunde verschwindet die Band, um jedoch nach
heftigem Applaus gleich wieder zu kommen. Wäre für reichlich Geld
sonst auch reichlich wenig gewesen.
Dritter Akt: Irgend etwas ist geschehen...
Ein Spiel mit dem Publikum, Distanz und Nähe im stetigen Wechsel,
in fortwährender Verwandlung. "Irgendetwas ist geschehen, aber du
weißt nicht , was es ist". Dylan-Konzerte laden ein zu
Interpretationsorgien: Was hat er uns sagen wollen. Mit fast brüchiger, leiser Stimme in einem sonst ungeheuer kraftvollen, musikalisch guten,
aber nicht herausragenden Programm fragt er dann How does it feel to be on
yourown?
Die Hymne wird zum Klagelied. Das klingt wie ein Geschenk und eine ehrliche Frage, in der die Tragik schon mitschwingt, dass er keine Antwort bekommen wird. Ob es ihn wirklich interessiert, wie sich sein Publikum fühlt,
gerade dieses, hier im Osten. Vielleicht weiß er es auch - später singt er noch von
Maggies Farm: Ich tu mein Bestes, um ich selbst zu sein, aber dort wollen, dass ich so bin wie sie. Sie singen, während du schuftest, ... auf Maggies Farm arbeite ich nicht mehr, nie. Mit Klassikern
- It ain't me Babe, Highway 61
Revisited - endet das
Stück. Die Glückwünsche zum Geburtstag gibt er vorher noch zurück
"Magst du immer mutig sein, standhaft und
stark - and may you stay
forever young". Nach How many
Roads" kommt er schmunzelnd noch
einmal auf die Bühne, bedankt sich freundlich und knurrt ins Mikrofon:
"..und ich hoffe ihr erinnert euch eine Weile daran".
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