n.B.u
COLOGNE 
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Dylan in Köln 2000


Köln 2000
Rheinische
Post

Vor 6500 Fans in der Kölnarena

Ob Dylan-Fans ,,His Bobness" live in gut gestimmter Tagesform erleben 
durften oder ,,His Snobness" auf der Bühne ostentativ sein Desinteresse 
an jeglicher musikalischer Dienstleistung zelebrierte, war meist
Glückssache. Der 58-Jährige aber scheint entschlossen zu sein, das 
Diventum fortan jüngeren Kollegen zu überlassen. Sensationell pünktlich, 
zehn Minuten nach 20 Uhr, trat der ergraute Wuschelkopf unter dem 
Jubel von rund 6500 Fans auf die Bühne der Kölnarena.

Trotz des meist gesetzteren Alters der Fans drängten sie zu ihrem Idol,
 das sie mitunter nun fast 40 Jahre anhimmeln. In seinem grauen 
Gehrock im Rhett-Butler-Stil sah Robert Zimmerman, so Dylans 
bürgerlicher Name, aus, als hätte er nach Pat Garrett & Billy The Kid  
mal wieder Lust bekommen, in einem Western mitzuschauspielern. 
Musikalisch bewegte er sich mit seiner vierköpfigen Band zunächst in Country-Gefilden. Mit dem Klassiker The Times They Are A-Changin  
brandete frenetischer Jubel auf, obgleich von dem Original nicht mehr 
viel zu spüren war. Unbeschwerter Country, gemäßigter Gangart begleitete eine Art gesungene Lesung. Dylan gab gesanglich den grauen Wolf, bellte, krächzte und nölte, verschleppte das Tempo und setzte mit willkürlichen Dehnungen neue Akzente, in denen manchmal sogar noch aggressives Aufbegehren mitklang. Doch die Protest-Attitüde hat sich erledigt. Dennoch war von Resignation nichts zu spüren. Sanfte Ironie klang an; man merkte seine Belustigung über die Tatsache, dass trivialste 
Erkenntnisse über Jahre hinweg bejubelt werden können. Äußerlich 
wirkte der Altmeister müde, die Mundwinkel meist nach unten gerichtet
und die Augen zu Sehschlitzen verkleinert. 

Musikalisch hingegen wirkte Dylan in seinem Karriere-Herbst 
ungemein aufgeweckt. Über akustisch präsentierte Klassiker wie 
It' s Alright Ma, Mr. Tambourine Man, Tangled Up In Blue und Gates Of Eden ging es dynamisch weiter bis in rockige Sphären. Man kam aus dem Staunen nicht heraus: Dylan, der bislang brav seine Gitarre schrammelte,  lieferte sich mit Gitarrist Larry Campbell regelrechte
Gitarren-Duelle. Und es trat ein, was bislang kein ,,Dylanologe" für
 möglich gehalten hat - Bob Dylan kann lachen! Mit Leopard-Skin Pill-Box Hat, einer Aufnahme vom ´66er Album Blonde On Blonde,
und erneut eher selbstironisch zu interpretierendem Peace - Handzeichen
trollte er sich nach rund 80 Minuten von der Bühne. 

Wer jedoch meinte, der Meister habe jetzt einfach keine Lust, der 
sah sich angenehm überrascht. Mit dem schaurig-schönen Love Sick  
startete ein Songreigen, der aufgrund der 45-minütigen Dauer eher als 
zweite Konzerthälfte denn als Zugabe durchging. Mit Forever Young  
wurden nochmals echte Hippie-Reminiszenzen beschworen. Everybody 
must get stoned wurde zwar von vielen mitgesungen, die Gedanken aber 
waren wohl bei einem kühlen Kölsch.


Dylan in Köln 2000