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Berlin 2002
Gaesteliste
von
Ulruch Maurer
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Onkel
Bob's Hütte
Bonn, Museumsplatz 29.06.2004
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Also Onkel Bob's Hütte
war in dem Fall das zugegebenermaßen überdimensionierte
und äußerst gut besuchte Zelt auf dem
Museumsplatz in der ehemaligen
Bundeshauptstadt. Selbstredend liefen die üblichen
Zeremonien, die vor dem Konzert zu absolvieren
sind - Anstellen, Einlass, Körperhohlraumuntersuchungen
- vergleichsweise streßfrei ab. Denn das
Publikum hätte - anders gekleidet - durchaus
als Anwaltskongress mit Sekretärinnen
durchgehen können; obwohl vereinzelt doch jüngere
Gesichter zu sehen waren. Onkel Bob ist doch
irgendwie auch so was wie eine
Integrationsfigur. Der von Dylanologen seit
Monaten bemängelte Bühnenaufbau - bei dem
der Meister auf der linken Seite an einem
Keyboard herummacht - wirkte zunächst mal ernüchternd.
Auch der Umstand, dass keine Musik zum
Einstimmen vom Band lief. Und als es doch
welche gab - zunächst kaum hörbar -, war das
amerikanische Klassik von Aaron Copeland:
"Fanfare For The Common Man" - das
war insofern witzig, wenn man sich erinnern
konnte, dass sich ausgerechnet Emerson, Lake
& Palmer mal an dem Track vergriffen haben
(und ein ganz gewöhnlicher Mann ist Bob ja
nun schon mal gar nicht).
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Um kurz nach Acht ging's
dann los: Hinter seiner neuen Band tänzelte
Herr Zimmermann im schwarzen Gehrock mit
ebensolchem Stetson auf die Bühne. Der erste
Track war "Rainy Day Women #12 &
35" und der stimmte dann groovemäßig
auf den Abend ein. Die Dylanologen hatten ja
im Vorfeld berichtet, dass das Konzept der
aktuellen Tour eine stramme
Blues-Rock-Angelegenheit werden würde. Ganz
so war es freilich nicht. "Stramm"
war nicht unbedingt der Ausdruck, den man für
das Zusammenspiel der Truppe hätte anführen
können. Das lag aber nicht alleine an den
Musikern, sondern an der enervierenden Art,
mit der Dylan seine Mitstreiter triezte. Dylan
singt halt nicht dann, wann das Versmaß es
gebietet, sondern wenn er kegeln möchte.
Gleiches gilt für seine Mundharmonika-Soli,
die er z.T. doch relativ unmotiviert ins
Geschehen einbrachte und die auch eigenartig
umständlich erschienen, da er sich bemühte,
mit der linken Hand weiter in die Tasten zu
greifen. Manch ein Track wurde so - besonders,
was den gemeinsamen Abschluss betrifft - gegen
die Wand gefahren, obwohl alle Musiker
verbissen den ständigen Augenkontakt mit
ihrem Dirigenten suchten. Das hört sich jetzt
negativ an, war es aber nicht wirklich. Denn
das, was musikalisch passierte, war - entgegen
der Ansagen auf den entsprechenden Websites -
äußerst lebhaft, kurzweilig und spannend.
Auch, wenn nicht alles unbedingt gelang - was
aber nicht der Punkt ist, denn wichtiger
erschien, dass hier etwas passierte und sich
bewegte.
Vielleicht kamen
deshalb gerade die Stücke, die Dylan per se
sowieso schon als Blues-Rock angelegt hatte,
am schlechtesten weg - eben weil sie am
wenigsten aufregend und vorhersehbar
erschienen. Wie z.B. "Tweedle Dee &
Tweedle Dum" vom letzten Album. Ansonsten
aber ließ sich der Arrangeur Dylan (wenn er
das denn alles alleine so arrangiert hat) doch
ziemlich gehen. Erkennen konnte man das daran,
dass das Publikum, das jedes Stück artig
feierte, sobald es zu erkennen war, dies
zuweilen erst beim Refrain tat - weil die
Tracks doch ziemlich zerpflückt und auf
interessante Weise neugeboren erschienen.
"It Ain't Me Babe" z.B. begann als
angedeuteter akustischer Two-Step, das
offensichtlich kurzfristig angesagte "This
Wheel's On Fire" kam als bedrohlich
dahinschmirgelnder Rock-Blues und die Zugabe
"All Along The Watchtower" bestand
z.B. nur aus unheimeligen
Steel-Gitarren-Sounds (Multi-Instrumentalist
Larry Campbell war hier zuständig) und
Gitarrensoli von Lead-Gitarrist Stu Kimball.
Alles was recht ist: Jemand, der Klassiker
dieser Art dergestalt demontiert (schließlich
lebt das Stück ansonsten ja stets vom
markanten Riff, der hier vollkommen fehlte),
der hat noch Spaß und Interesse an der
eigenen Musik! Was auch gefiel war Dylans Art,
die Lyrics, wie ein Wurzelmännchen übers
Mikro gebeugt, mit seltsamen Betonungen und
Phrasierungen geradezu herauszubellen. "It's
Alright, Ma" - auch musikalisch einer der
Höhepunkte der Show - spie er wie ein
Gangsta-Rapper in die Menge, bei "Masters
Of War" (mit akustischem Bass) erinnerte
er an einen fanatisch predigenden Mullah und
"This Wheel's On Fire" sang er, als
wolle er kleine Kinder auffressen. Da lief
einem zuweilen jener gewisse Schauer den Rücken
herunter und da brannte ein gewisses Feuer -
wobei es jetzt an den Dylanologen liegt, zu
interpretieren, wo das herrühren mag. Paul
Williams kann jedenfalls schon mal ein Kapitel
dafür im Abschnitt "Warum Bob jetzt
Piano spielt und warum das die Welt verändern
wird" einplanen. Eine weitere Nuance, die
Dylan in Bonn forcierte, war der
Western-Swing. Bei "Floater" spielte
Campbell Geige und das offiziell letzte Stück,
"Summer Days", geriet zu einer
ausufernden Jam-Session, bei der jeder seinen
Senf dazugeben durfte - wobei hier wie bei ähnlichen
Gelegenheiten weniger die Gitarreneskapaden
der beiden Protagonisten bestachen, sondern
das Zusammenspiel der Rhythmusgruppe,
bestehend aus dem stets souveränen
Musikalischen Direktor Tony Garnier und des
"besten Drummers auf der Bühne",
wie Dylan ihn ankündigte, dem leichtfüßig
agierenden George Receli. Die Setlist erschien
- zumindest dem unbedarften Zuschauer -
originell und ausgewogen und abgesehen von den
kleinen Unstimmigkeiten das Zusammenspiel
betreffend, gab es nicht wirklich etwas
auszusetzen. (Zumindest dann nicht, wenn man
die Show ohne Bezug zu anderen Dylan-Konzerten
betrachtete) Fazit: Dieses war zwar mit
Sicherheit zwar nicht unbedingt das beste
Dylan-Konzert - aber auf jeden Fall ein
unterhaltsames nach dem Motto "wer wagt,
gewinnt" - und auch eines das zeigte,
dass sich Altmeister also keineswegs
zwangsweise in Routine und Gelassenheit auf
die Rente vorbereiten müssen.
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