n.B.u
BIELEFELD 
REVIEWS

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Bielefeld 1995
Neues
Westfalenblatt
vom
18. März 1995



Immer unplugged
Bob Dylan in der Bielefelder Stadthalle

Wer in der Bielefelder Stadthalle war - gut 3500 dürften es gewesen 
sein -, hat Glück gehabt. Bob Dylan, mit 53 Jahren noch immer gelegentlich auf Tournee, war für seine Verhältnisse aufgeräumt wie selten. Da Publikum, Altersdurchschnitt circa 30 und aufwärts, erlebte einen eher rockigen Dylan, der sich von zwei Gitarristen, einem Schlagzeuger und einem exquisiten Bassisten begleiten ließ. Selbst die gealterte, wahrhaft unverwechselbare Stimme des Meisters, mit der manche seiner Fans im Zwiespalt leben, drang in nasaler Wehklage vergleichsweise fest und rein von der Bühne. 
 

Dylan in der Bielefelder Stadthalle



Der zum Publikum über die Songs hinaus stets wortkarge Jahrhundert - Musiker ließ sich vom Querschnitt durch sein 35jähriges Schaffen sogar fast zu so etwas wie ein paar Tanzschritten hinreißen. Daß Dylan nach wie vor ungebrochene schöpferische Kraft besitzt und alles tut , um nicht in der Pose des eigenen Denkmals zu verharren, bewiesen die
rischen Variationen einiger der unverwüstlichen Fanfaren zum Aufbruch seiner Generation: All Along the Watchtower, Just Like a Women oder Mr. Tambourine Man. Auf die lautstark verlangte Zugabe reagierte
Dylan mit Like a Rolling Stone. Was mag den Multi - Millionär auf dem Olymp der Pop - Geschichte eigentlich noch bewegen, in den Provinzen zu spielen? Der Mann, der auch mit E - Gitarre immer etwas unplugged wirkt, hat wohl ganz einfach Spaß an der Sache.