n.B.u
BIELEFELD 
REVIEWS

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BIELEFELD 
REVIEWS



Bielefeld 1995
Review
von
Klaus Gosmann




Genialer Dilettant
Bob Dylan in der Stadthalle

Bob Dylan in der Bielefelder Stadthalle

Bob Dylan kam, sah und spielte - mit Zugabe rund eineinhalb Stunden: das ist schon eine Menge bei ihm. Hatten doch viele der mehr als 3000 Zuhörer des Konzerts in der Bielefelder Stadthalle noch die Eskapaden vergangener Tourneen im Hinterkopf - so zum Beispiel die Konzerte mit der Hausband von Tom Petty, den Heartbreakers. Damals meinte der Maestro, bereits nach 45 Minuten seine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben. diesmal war alles anders.

Nachdem eine Ansagerstimme in Bester US - Manier verkündet hatte Heissen Sie den Columbia Recording Artist Bob Dylan willkommen trat im Schatten 

seiner vier ungleich größeren Begleitmusiker ein zerbrechlich wirkender Lockenkopf ins Bühnenlicht. Ein gelungener Auftakt mit erdigen Blues - Rock - Anklängen, danach eine Ballade - anschließend der erste große Klassiker 
All Along the Watchtower. Im Gegensatz zu vielen früheren Dylan - Live -
Auftritten mußten die Besucher diesmal den Eindruck gewinnen, als hätte der
Altmeister im Vorfeld der Tournee wirklich ausgiebig mit seinen Mitstreitern geprobt.

Die Gruppe spielte präzise und hauchte speziell den langsameren Stücken die notwendige Dynamik ein. Schließlich griffen die Musiker bei drei Titeln zu rein akustischen Instrumenten: Mr. Tambourine Man und Spanish Boots in Spanish Leather demonstrierte Herr Zimmermann der MTV - unplugged - Generation eindrucksvoll,  was eine Harke ist. Warum es der einstige Rebell aber immer 
wagt, sich gelegentlich seine Stratocaster - Gitarre umzuschnallen, bleibt rätselhaft: Es müssen visuelle Gründe sein, denn kurz vor Erreichen der Rentengrenze dürfte es auch einer lebenden Legende zunehmend schwerer fallen, sich als zorniger
junger Quäker der altbackenen Pentatonik - Tonleiter oder genialer Dilettant auf dem Instrumntalsektor durchzumogeln.

In Man In a Long Black Coat ließ der 53jährige Künstler dann als 
Entschuldigung sein immer noch fesselndes erzählerisches Talent spielen. 
Kurz vor dem Finale präsentierte er eine stampfende Version von 
Maggie´s Farm. Im Anschluß an die einzige Zugabe - Like a Rolling Stone - verneigte sich Dylan noch mehrmals vor seinen Fans. Und konnte man da nicht 
die Spur eines angedeuteten Lächelns auf seinem Pokergesicht ausmachen?