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Bob Dylan - Berlin, Tempodrom
We are not worthy: Es ist die Dialektik des
Understatement, mit der uns Bob Dylan ein ums andere
Mal drastisch vor Augen führt, daß nicht er uns, wir
aber sehr wohl ihn brauchen. Seine Bühnen - Vasallen
sind derzeit auf Rock justiert: nicht Blues - Rock,
nicht Country - Rock, nicht Folk - Rock, nein, einfach
nur Rockmusik von der altbackenen , Mittsiebziger,
heavy-duty-man-Sorte. Die gesichtslosen Männer mit
Hut beginnen zu spielen, Bob fädelt sich ein und
dudelt ein wenig mit. Dann aber tritt er ans
Mikrophon, wir hören There must be some way
outtahere... oder Come gather`round people
whereever you roam... und schämen uns, daß wir
ihn wieder, und sei es nur für Momente, an Musik, an
Sound messen wollten. Mehr als für alle anderen gilt
für Dylan: Das Werk ist die Essenz, dann kommt der
Künstler, dann erst die Verpackung.
Wie seit jeher läßt sich Bob Dylan als Columbia
recording artist ankündigen, und das ist mehr als
eine Geste. Sony steht für Hardware und für
Software, während Dylan sich nicht zuletzt durch die
unzeremonielle Präsentation seiner Kunst gegen jede
Art von Ausverkauf sträubt. Er macht einen
verschlossenen Eindruck heute, blickt beinahe grimmig,
und es gibt kaum Rapport mit dem Publikum, doch wird
der 20minütige akustische Part erwartungsgemäß
begeistert aufgenommen. Tangled up in blue
gewinnt durch die Sparsamkeit der Begleitung, und man
hört die Lap-Steel heraus, während Girl from the
North Country durch Dylans melodisches
improvisieren näher an Scarbourough Fair ist
als je zuvor. Am Ende ein paar kurze Verbeugungen,
mehr für sich selbst als für die applaudierende
Menge, dann drei Zugaben: Knockin ´ on Heaven ´s
Door, ein wehmütiges The Times They Are A -
Changin ´ und schließlich ein ädäquat
rumpelndes Rainy Day Women. Everybody must get
stoned.
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