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Der Meister des Wortes und seine
staubigen Outlaws
Bob Dylan und Band im ausverkauften Tempodrom
Es ist schon etwas Besonderes,
wenn er in der Stadt ist. Da
zerplatzt so
manch anderer poppiger Event als bunte Seifenblase .
Seit Monaten
bereits ausverkauft war das Berlin-Gastspiel von Bob Dylan
im Tempodrom, und
wenn der Großmeister des gesungenen Worts an
diesem Abend eines manifestiert
hat, dann das: er hat zu neuer Form
gefunden, zu neuem Profil, zu
berechenbarer Größe. Seit mehr als 30
Jahren ist er im Geschäft. Er
hat sich sozialkritisch engagiert, hat
klassenkämpferische Strophen verfasst, hat sich später
gar als singender
Prediger versucht.
Heute ist der 54jaehrige einfach das, was
er eigentlich
schon vor 30 Jahren werden wollte:
ein Rock´ n Roller, mürrisch, markant
und
von mysteriöser Melancholie. Sozialkritik überlässt er anderen. Er
verwaltet
sein eigenes Erbe, ohne museal zu werden. Er verpackt
seine
Lieder in lautstarke Rock- Arrangements,
gibt sich als "lonesom rider" mit
einer ausgebufften Gang
staubiger Outlaws frisch aus der amerikanischen
Prärie im Rücken. Es sind die
Musiker, die ihn schon bei seiner
MTV Unplugged - CD unterstützten. Jetzt aber können sie sich die
E-Gitarren umhängen und so
richtig Druck machen. Und während
Gitarrist John
Jackson sich meist auf
versiertes Rhythmusspiel beschränkt,
widmet sich Dylan
verstärkt den mitunter etwas seltsamen Saiten - Soli.
Mit einem wie versteinert
wirkenden Gesicht, in denen sich die Falten wie
Jahresringe einer langen
Karriere
eingegraben haben, knirscht Dylan seine
Texte, stößt nasal und
keuchend seine Songs ins Mikrophon.
Hunderte von Fans die keine Karte mehr bekommen konnten, harrten
während der Zwei -Stunden - Show vor dem Zelt aus, während drinnen
unter der Schulter- an
Schulter vollgepackten Plane
Songs von
All along the
watchtower bis Under the red sky
in bestem Sound
erklangen. In der Mitte der Show wechselten Dylan
und seine Gang dann
doch zu akustischen Instrumenten, begeisterten unter anderem
mit eine
wunderschönen Version von Love minus zero, um zum Finale wieder
mächtig aufzudrehen : Knockin´on heaven´s
door (mit dem Zusatz "like so many times before"), The times they are
a-changin´,
Rainy day women # 12 & 35 - das Zelt drohte abzuheben bei so viel
Applaus.
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