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Mit Abendkleid und Taxi
Pfiffe und Jubel für Bob Dylan: Die Wandlung einer
Legende der 60er Jahre - Kritik und Kommentar zu einem
,,Ereignis"
,,Das ist gar nicht mehr DER Dylan, unserer
Dylan". Er war es schon, nur hat er sich
verändert. Und seine Zuhörer auch - und doch wollte
ein Teil der Fans dies nicht so recht wahrhaben. Da
waren sie nun zur Deutschlandhalle gepilgert, vage
Erinnerungen vom legendären Newport - Festival im
Kopf, den Klang, der aus dem heimischen Plattenarchiv
hervorgeholten, längst verkratzten LP Highway 61
Reviseted von 1965 im Ohr, und hofften, Bob Dylan
würde seine eigene Revival - Band
präsentieren.
The times they are a - changing rief der
Meister ihnen in der Zugabe nach - und recht hat er.
Jahrzehntelang hatten sie ihn als ,,Heiligen"
verehrt, den Protestsänger Dylan, der mit seinen
Liedern die Haltung einer ganzen Generation mit
beeinflußt hatte. Er selbst hat sich immer eher als
,,Jester, als Hofnarr verstanden, sich zurückgezogen
und einen ,,neuen" Dylan präsentiert. Das war
Anfang der 70er Jahre. Aber ein teil des
Publikums, das sich noch 1978 nach dem Mythos Dylan
sehnt und seinen Auftritt in der Deutschlandhalle mit
Pfiffen begleitete, wollte ihm diese Entwicklung nicht
zugestehen. Mit dem Taxi waren sie vorgefahren, zum
Teil in Abendgarderobe, ,,ihren" Dylan
Protestlieder gegen Kapitalismus und Mammon singen zu
hören - mit dünner Stimme, ein einzelner gegen die
Welt.
Er tat ihnen den Gefallen nicht. Dabei wäre es für
ihn sicherlich leichter gewesen, sich so zu verkaufen,
wie ihn das Publikum hören will. Viele Fans werden
ein zweites Konzert nun nicht mehr besuchen. Der ,,Jester"
hatte ein neues rockiges Gesicht gezeigt.
Dabei ist der ,,neue" Dylan, eingebettet in eine
Rock - Band, vom Blues kommend das musikalische
Arrangement suchend - und findend, so neu nicht.
Spätestens seit seiner Desire - LP des Jahres
1975 mit Liebesliedern an seine damalige Frau Sarah,
mit elegischen Balladen und Chor im Hintergrund, hatte
Bob Dylan den ein Jahr zuvor mit Blood on the
tracks angekündigten Wandel vollzogen.
Bei uns scheinen viele Fans diesen Wechsel verschlafen
zu haben. Anders in den USA und Großbritannien.
Dylans Tour mit der Gruppe
,,The Band" im Jahre 1974 wurde zur begeistert
gefeierten Wiederkehr des Heroen der 60er Jahre als
Star der 70er. Und vor einer Woche überschlugen sich
Kritiker und Fans in London vor Begeisterung über
eben jenen Dylan, der bei vielen deutschen Fans
,,durchfiel".
Dylan ist immer noch der beste einer ganzen Generation
von Songschreibern und - interpreten befand die
,,Times" angesichts seiner sechs restlos
ausverkauften Konzerte in Earls Court. In England wird
das honoriert. Bei uns scheint manchem wichtiger zu
sein das Idol seiner Jugend ,,unverfälscht"im
Gedächtnis zu behalten.
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