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Bad Segeberg

Konkret 8 / 1981
 von 

Günter Amendt

Grüße aus Bad Segeberg

Halihalo, aus dem nasskalten Kur - und Festspielort Bad Segeberg sende ich
Ihnen sonnige Urlaubsgrüße. Bob Dylan, unser Schatz, war hier am Silbersee.
Die Zwei - Tage - Kur ist mir gut bekommen und hat spürbar angeschlagen. 
Ich atme freier nach all den Beschwerden und Beklemmungen: frische Luft und
open air.

Mächtig schmächtig, unübersehbar älter mit tiefen Falten im weißen Gesicht 
steht Bobby unterm Kalkfelsen und singt: Well I´m hangin`on to a solid rock.
Also doch, werden Sie sagen, unüberhörbar die schwere Fracht vom lahmen
Zug, jenem slow train, auf den wir nie abfahren konnten.

Wohl besteht die Hälfte des Programms noch immer aus religiösen Liedern und
noch lässt Bobby das Mädchenquartett als Pausenfüller gospeln, doch, gottlob, 
er hat, das ist entscheidend, auch die sogenannten alten Songs wieder drauf. 
Und wie er sie drauf hat. Nicht glatt gestriegelt, sondern neu gegen den Strich gebürstet, die Rhythmen verändert, Melodieteile verrückt, näher an Ella als 
an Mahalia. Dabei eine Band, die egal which way the wind blows alle Drehungen und Wendungen mitmacht und absichert. Heavy stuff on heavy 
metal, von den religiösen Texten kommt kaum noch was über die Bühne:
Blowing in the wind.

Anders als auf den letzten beiden Venyl - Oblaten kommen Songs wie Saved oder When you gonna wake up?  ausgesprochen schwungvoll an und 
manchem wohl schon wie Dylan - Klassiker vor. I Believe in  you lässt er unglaublich glaubhaft rocken.

Auch der Sommerhit der Surfer - Bewegung Gotta Serve Somebody kann 
den Wind im Rücken gut vertragen. In der Neo - Neuauflage erweisen die alten Lieder sich wieder mal als unverwüstlich hits - und frostbeständig. Er kann sie nicht zersingen, sie sind nicht aus Glas. So wie er sie heute singt, und morgen schon nicht mehr, sind sie begeisternder denn je. Nehmen Sie Ballad Of A Thin
Man
freihändig ohne Gitarre mit Sonnenbrille pantomimisch aufgeführt, nehmen
Sie Girl From The North Country oder, wie der Titel schon sagt
Forever Young.
Bei Tambourine Man erinnerte ich mich an eine Ihrer
treffenden Formulierungen: " Die menschlichste aller Stimmen, der
unstimmigste aller Menschen
". Schließlich das Spiel seiner Dämonika, ein
weiterer Höhepunkt. Und nehmen Sie das alles als Protestgesang gegen ein
mitschunkelndes Publikum, das in Erinnerungen sich zurückwiegen will.

Auch ein paar Lieder seiner neuen Platte hat Bob gesungen. Die soll heißen
Shot Of Love oder Lot Of Shove oder Pot Of Puff oder Hot auf RAF oder 
Gott ist schlaff oder Bob ist baff oder wie immer oder noch schlimmer oder 
auch besser," ein Mann wie ein Messer", sagt Brecht über Dylan. Jedenfalls  
for me it´s the most explosive album I´ve ever done,
sagt Bob, wieder mal.


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