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Und er bewegt sich doch
Like a Rolling Stone: Ein neuer Bob Dylan in
Aschaffenburg
Bob Dylan kann nicht tanzen, aber er wagt es trotzdem
- im Zeitlupentempo schwebt er träge zwischen seinen
Musikern hin und her. Ein merkwürdiger Kontrast. Die
unbeholfenen Bewegungen des in die Jahre gekommenen
Rock - Poeten passen gar nicht zu dem furiosen
Rhythm´n Blues seiner exzellenten Band. Wen kümmert
´s: Dylan bewegt sich, und das allein ist seinen Fans
in der Aschaffenburger Unterfrankenhalle einen Applaus
wert. Den hat der 53jährige auch verdient, denn heute
abend singt er so deutlich, dass man ihn sogar
verstehen kann und greift in die Saiten, als hätte er
gerade in einer jugendlichen Garagenband angefangen.
Nein, soviel Verve hätte man dem eigenwilligen Barden
nicht mehr zugetraut. In den vergangenen Jahren hat
Dylan selbst treue Anhänger, die an seine
Formschwankungen gewöhnt waren, mit lustlosen
Konzerten vergrault: Da nuschelte er nur noch vor sich
hin und verwurstete seine Hits so erbarmungslos, dass
sie niemand mehr hören wollte. Dieser mürrische Mann
schien seine Songs, das Publikum und auch sich selbst
nicht mehr zu mögen. Aber The Times They Are A
Changin´ - und auch die Launen des Bob Dylan
können sich (immer noch) ändern.
In Aschaffenburg geht er mit seiner vierköpfigen Band
auf die Bühne und verzaubert das Publikum mit einer
liebevollen Hommage an das eigene Werk. Mit der
Stratocaster und der Mundharmonika um den Hals rockt
und rollt er sich durch seine mehr als 30jährige
Musikgeschichte und hat sichtlich Spass daran. Die
famose Bass - Schlagzeug - Fraktion untermauert die
Rückschau mit ihren pumpenden Beats, die beiden
Gitarristen spielen sich die Soli nur so zu und
erlauben es sich, die betagten Klassiker mit ein paar
rauhen Riffs aufzupeppen. Doch wenn den
Saitenkünstlern das Temperament durchgeht, mischt
sich der Meister ein - und spielt sich bei Tangled
Up in Blue mit einem schrägen Solo wieder in den
Mittelpunkt.
Die Menge tobt, doch es kommt noch besser, als die E -
gegen die
Akustik - Gitarren ausgetauscht werden. Dylan ,,unplugged".
So hatte er (lang ist´s her) vor 34 Jahren
angefangen, und so hören ihn seine Fans immer
noch am liebsten. Als er mit seiner näselnden Stimme
einmal mehr
Mr. Tambourine Man bittet: ,,Play a song for me"
sind sie alle hin und weg: So zärtlich klang Dylan
schon lange nicht mehr. Und zur Zugabe gibt er ihnen
das, worauf sie alle gewartet haben: eine ruppige
Version von
Like A Rolling Stone. Da steht er dann, die
Arme hochgerissen zu einer seltsamen Erlöserpose und
singt die Zeilen, die jeder in der Halle kennt:
,,How does it feeeeel?"
Wunderbar.
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