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Tourplakat Offenbach 1991


Offenbach 1984
Aus
Reunion Sundown
von 

Günter Amendt


No More Reunion.

In Offenbach am Main war es dann soweit. Reunion Sundown ohne Hektik  und
ohne Spektakel. Einfach nur: no more reunion. Einfach nur? Da gab es noch
einige backstage confusion. There must be some way out of here, said the
joker to the thief
. Dylan brauchte zwei Anläufe, um da rauszukommen. There's
too much confusion, I can't get no relief
. Im allgemeinen Durcheinander bringt
Dylan All Along The Watchtower gleich zweimal.

So was war ihm zuletzt 1981 in Kopenhagen passiert, als er das Konzert mit der
akustischen Gitarre und Blowing In The Wind eröffnete, um das Ganze gegen
Ende noch einmal mit Orchester zu wiederholen. Die zweite Offenbacher Version von All Along The Watchtower mit Carlos Santana und dessen Percussion -
Section bildete den furiosen Abschluß eines Konzerts, das so zähflüssig begonnen
hatte. 

Dylan war gerade frisch aus Skandinavien eingetroffen. Er wirkte ausgepumpt
und abgeschlafft. Über Brüssel und Rotterdam, Göteborg und Kopenhagen hatte
der Dylan-Santana-Troß eine Schleife gezogen, die nun wieder in die
Bundesrepublik zurückführte. Brüssel war eine Schlammschlacht und der Ort, an
dem Dylan zum ersten Mal auf dieser Tour Mr. Tambourine Man sang,
Rotterdam fand im Saale statt, Göteborg und Kopenhagen waren verregnet. Von
den Konzerten habe ich keines gesehen - aber alle gehört. ( Rotterdam gibt es auf einem Doppelalbum und auf einer Dreierbox, München auf einem 
Dreiplattenalbum, Göteborg als Triplealbum, Kopenhagen und Göteborg als
Extra-Dylan Dreiplattensampler, und Offenbach wurde ebenfalls auf drei Platten
gepresst. Avisiert sind Alben der Konzerte in Köln und Berlin, und es werden
weitere hinzukommen. ) 

Alles in allem war es ein stürmischer und kräftezehrender Abstecher in den
Norden Europas. Aber man hörte es, und man sah es. Die Band hatte sich unterwegs gefunden. Auch das Sommerwetter über dem Rhein-Main-Gebiet hebt
die Stimmung und die Spielfreude aller Akteure. 

Dylan tritt in einem schwarzen Jacket mit grobem weißen Nadelstreifen auf, er
hat, wie meist, wenn er sich schminkt, eine flüchtige weiße Maske  aufgelegt.
Mehr als sonst wo bisher musste Dylan um das Publikum kämpfen. Aus
zumindest für ihn unerklärlichen Gründen setzt, kaum steht er an der
Bühnenrampe, eine massenhafte Abwanderung ein. Es mögen drei- bis
viertausend Leute gewesen sein, die sich, so musste es Dylan aus der
Bühnenperspektive wahrgenommen haben, demonstrativ davonmachten. Nach
dem Bandsong und mit Beginn des akustischen Teils hatte er das Publikum,
immer noch um die 25000, auf seiner Seite. 

Das war ein paar Stunden zuvor auch Joan Baez gelungen, die in Offenbach als
Vorsängerin auftrat, wie die ‚Rodgau Monotones‘ als Vorgruppe aufgetreten
waren. Alles hatte seine Ordnung, und beide‚Vorgruppen‘ kamen gut an. Bei den
vorangegangenen Konzerten war das nicht anders - überall hatte Joan Baez ihr
Publikum, überall bekam sie ihren Beifall.

Wohl deshalb hat es so lange gedauert, bis sie die oft betretenen Gesichter
unmittelbar um sie herum und die ansteigende Gereiztheit hinter der Bühne und im
Umkreis des Tourmanagements auf sich zu  beziehen begann. Es musste sie auch
beunruhigen, was ihr ein Teil der Presse nach den Hamburg - und München -Konzerten hinterher rief: "Wenn sie noch über eine gewisse Portion
Selbstachtung verfügt, und die müsste sie als gestandene Protestsängerin haben,
dann müsste sie bei den weiteren Open-Air-Konzerten in den bundesdeutschen
Stadien auf ein Zusammentreffen mit Dylan verzichten." 

An Verzicht dachte sie nicht. Natürlich nicht. Noch hatte Joan Baez nicht
aufgegeben. Der Erfolg in Offenbach schien sie sogar anzuspornen und wie eine
vitaminreiche Egospritze zu wirken. Sie muss plötzlich in aller Schärfe erkannt
haben, daß es nun an der Zeit war, ihre Version der Reunion - Story unter die
Leute zu bringen. 


Tourplakat Offenbach 1991