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Reunion Sundown
von Günter Amendt
War Forever Young, Zugabe des Münchner Konzerts, als
Konzession an den bundesdeutschen Veranstalter zu verstehen? Wurde Dylan unter Druck
gesetzt oder erlag er dem Aufforderungscharakter des Leitmotivs, das als
Endlosschleife über die elektronische Anzeigetafel des Olympiastadions
huschte:
Foreveryoungforeveryoungforeveryoungforeveryoung...
Sollte es sich um eine Konzession gehandelt haben, dann war es auch eine
Provokation. So hingerotzt und hingehauen hat Dylan kein anderes Lied auf
der ganzen Tour, und noch heute bin ich davon überzeugt, dass zumindest
diese Nummer mit niemandem abgesprochen war, denn Dylans verblüffte
Mitspieler brauchten einige Zeit, bis sie mitbekamen, was gespielt wurde.
Noch bevor der erste Ton aus den zu schwachen Boxen des Münchner
Stadions kam, wurde Backstage erst einmal wieder für klare Verhältnisse
gesorgt. Die Rangfolge, die ja nicht nur eine künstlerische ist, sondern immer
auch die Bestimmung des Marktwertes einschließt, wurde neu festgelegt. Die
Baez trat vor Santana und Dylan auf und nicht wie in Hamburg zwischen den
beiden. Bei dieser Position blieb es auch für den Rest der noch ausstehenden
bundesdeutschen Konzerte.
(...)
Als ich nach München kam, war überall zu hören, es käme hier nicht zur
Wiederholung des Hamburger Finales. Dessen negativer Nachhall war noch im
Süden der Republik zu registrieren. Es sollte noch dicker kommen.
Kaum ist die Baez auf der Bühne, spielt sie sich auch schon an die Rampe.
Bobbys Bodysprache ist überdeutlich. Beim ersten Gitarrenzwischenspiel
dreht er Joan Baez den Rücken zu. Als die beim Klang von Santanas
spanischer Gitarre wieder den Rock rafft und trippelnd auf Bob zutanzt,
flüchtet der sich entsetzt zu seinen Musikern. Dylan, der sich auf der Bühne
kaum bewegt, der am Mikrophonständer zu kleben scheint, der nur, wenn er
die Gitarre tauscht oder an der Technik herumfingert, den Standort wechselt,
zieht sich fluchtartig zwischen Keyboard und Bass zurück und sendet einen
flehenden Blick in den Münchner Nachthimmel: "Oh Sir God help me. No."
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