n.B.u
SHOWS 
REVIEWS

n.B.u
SHOWS 
REVIEWS



Hannover 1993
Musikexpress
4 / 1993
von
Werner Haver


Muffel macht Laune
Selbst Dylan kann lachen

Blues, Country, Rock - gleich mit den ersten drei Stücken umreißt der Meister
das Programm des Abends. Den rund 5000 Zuschauern  präsentiert sich ein
wohlgelaunter, spielfreudiger Veteran. Schon beim dritten Song beginnen die
hochhackigen Boots im Tanz zu wippen, und gegen ende des Stückes verfällt 
"His Bobness" gar in ein dezentes Tänzeln. An diesem Abend hat er sich
selbst und seine Band in Griff und serviert mit dem ihm eigenen Charme eine
inspiriert swingende Show von gut zwei Stunden. Allein der Sound der
übersichtlichen Combo ist für Dylans Verhältnisse erstaunlich klar und
durchsichtig.
 
Der vielseitige Drummer Winston Watson jr., vor allem aber der akustische Bass
von Tony Garnier, schaffen eine Basis, auf der sich die Gitaristen Bill Baxter und
und John Jackson (und Dylan selbst) mühelos bewegen. Zu dem lockeren
Rockabilly - Ambiente hatten ihn vor drei Jahren die "Havalinas", seine damalige
Vorgruppe, inspiriert. Mit diesem Sound und den sanft dahingeschmierten Fills
auf der Steelguitar bekommen Stücke wie If not for you  den nötigen Hauch
Country - nicht zuletzt auch das betörende Tomorrow night bei dem sich Dylan
deutlich an der Urversion von Elvis orientiert.

Zwar ist es durchweg die akustische Klampfe, die vor seiner Jacke baumelt.
Doch die Licks und Soli, die Dylan seinem Instrument entlockt, klingen
schlichtweg meisterlich und bekommen immer wieder Szenenapplaus. Genau wie
die Gesangskapriolen, die bei aller Freizügigkeit im Umgang mit Melodie und
Intonation doch immer wieder auf den Punkt kommen. Bei Stuck inside with mobile  spielt er wie in alten Zeiten mit den Worten, hält sich über halbe 
Strophen auf einen Ton, entwirft fix eine neue Melodie, näselt einen kleinen
Schnörkel und kriegt im letzten Moment dann noch die Kurve. Selbst den alten
Hits wie Mr.Tambourine Man und It´s all over now, Baby Blue haucht er so
neues, kompaktes Leben ein. Kein endloses Gefuddel am Anfang, auch keine
Verlegenheitsschlüsse, wo immer noch eine Gitarre nachdieselt. Der Meister
selbst, früher oft ein deplaziertes Faktotum in seiner eigenen Show, hat die
Leitung der Band übernommen und führt ein gnädiges Regiment an diesem
Abend. Verwuschelt und verlegen die Nicht-Frisur, wenn das Publikum jubelt
und lässt es dann auch mal gehörig krachen. Über den guten, alten Highway 61 rockt er schliesslich in die Zielgerade. 

Doch da hat er schon lange allen Kleingläubigen bewiesen, dass er kann. 
Wenn er nur will.