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© 2001 Norbert Baro
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07. August 2001

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Madison Square Garden
1992
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Ich sitze da mit meinem Notizzettel und lasse hochachtungsvoll die
einzigartige Parade an mir vorbeidefilieren
( Wolfgang Niedecken)
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It´s the singer not the song
von
Wolfgang Niedecken
Madison Square Garden, ... was ist hier nicht schon
alles gelaufen? Zahllose,
am TV durchwachte Nächte in Sachen Ali
Gegen Frazier
fallen mir ein, das Konzert für Bangla Desh, Springsteen, Rolling Stones ...
wer hat hier nicht schon alles gespielt? Heute kommen
auf jeden Fall noch ein
paar Namen
mehr auf die Liste, denn Columbia Records, Dylans Plattenfirma, lud
zur Huldigung an jenen Kollegen ein, der den Rock ´n Roll vor dem Verblöden
bewahrt hat. Und alle kommen, um
- bis auf wenige Ausnahmen wie Lou Reed
und George Thorogood
-
in schnell wechselnder Reihenfolge ihre
Versionen von Dylan - Klassikern
zum
Besten zu geben.
Die rund 20000 in der Halle ( Ein gemischteres Publikum kann man sich kaum
vorstellen: vom grauen Banker
bis zum per T- Shirt ausgewiesenen
Nirvana - Fan ) wissen es zu schätzen. Eine standing ovation nach der
anderen und manch ein Stück kommt so gut wie nie zuvor. Wie Clapton
diesen
armen,
an unzähligen Lagerfeuern zu Tode geklampften Don´t
Think Twice per 6/8-Takt neues Leben
einhaucht, ist schon begnadet.
Aber nicht nur Dylans Zeitgenossen,
die alten Cracks wie The
Band ( leider ohne Robbie Robertson ) und
Roger McGuinn ( leider ohne die Byrds ) glänzen, auch der
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Nun singet und seid froh
von
Willi Winckler
Und dann gibt es immer wieder Geschichten, die mich mit ihm
versöhnen. 1992,
New York, Madison Square Garden, Stätte großer Triumphe, jedesmal ein
Heimspiel und die Probe gleichzeitig, wie viele Jünger er um sich scharen
kann. ...
Beim großen Jubelfest, Bob Dylan
und sein
dreißigjähriges
Plattenjubiläum, umgeben von seinen Freunden ( was ja noch
geht ) und jüngeren Helden, die das Los über seine Songs ( ein paar davon )
geworfen und sie unter sich aufgeteilt hatten, bei dieser Apotheose, die zu
seinen schlechtesten Konzerten gehört, saß der Jubilar draußen vor der Arena
im Auto und wartete, bis die Zeit für seinen Auftritt gekommen war.
Supermässig.
Ein Monster an Arroganz ist er, und am Ende werden sie froh
gewesen sein, dass er überhaupt hereinkam. Er hatte
einfach keine Lust, sich
Coverversionen anzutun, er wollte
nicht Bob Dylan hören, wenn er es nicht
selber war.
Wozu musste er dabei sein, wenn
John Cougar
Mellencamp
( Like A
Rolling Stone
)
eine Parodie des mittleren Dylan aufführt ( sogar mit elektrischer
Rivera -
Geige ) ?
Wenn
Johnny Cash,
Willie Nelson,
Lou Reed
und viele mindere Musiker sich redlich durchs
Dylan - Liederbuch arbeiten, als müssten sie ihrer Klavierlehrerin noch was
beweisen?
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Erschütternd, einfach erschütternd. Nur wenn er an der
Mundharmonika saugt, unterbricht er für Momente diese peinliche Schaustellung.
( Willi Winckler)
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Nachwuchs wie
Eddie Vedder
und
Mike McReedy von
Pearl Jam kann überzeugen. Die
Intensität, mit der
sie "Monsters Of War" zelebrieren, geht in dieser
Nacht nicht nur mir
unter die Haut. Zwischenapplaus am Ende jeder Strophe:"
... ihr bedroht sogar mein Kind, noch ungeboren,
noch namenlos ... ihr seid
nicht
einmal das Blut in euren Adern wert ..." Tja, war wohl nix mit dem
Nachlassen der Kriegsangst!?"

Ich sitze da mit meinem Notizzettel
und lasse hochachtungsvoll die einzigartige
Parade an mir vorbeidefilieren. Mensch, was hat
dieser man nicht alles für
Hämmer geschrieben! It ´s the singer, not the song" hatten die Stones mal
auf irgendeiner B - Seite behauptet. Ich wage entgegen dem vielzitierten CBS -
Werbespruch " Nobody sings Dylan
like Dylan" das Gegenteil zu
behaupten. Aber was erzähle ich?
Zig - Millionen Fernsehzuschauer können
weltweit verfolgen, wie diese Rohdiamanten zu funkeln beginnen, wenn sich die
passenden Interpreten ihrer annehmen.
Zugegeben: Einige Versuche gingen daneben. So war mit
Stevie Wonders
Blowin In The Wind
zu
zersungen ( Ganz abgesehen von der immer peinlichen " Und - jetzt -
alle!!" - Aufforderung ), und das von
Tracy Chapman
emotionslos
runtergeschrammelte Times They
Are A - Changin` war´s auch
irgendwie nicht. Aber
in welchem
Glanz erstrahlt
I Shall Be Released,
wenn es von Chrissie Hynde gefaucht wird, oder
Just Like A
Woman, wenn es von
Richie Heavens zur offenen Gitarrenstimmung mit samtweicher
Schmirgelpapierstimme durchlitten wird.
Und dann die Spielfreude: Allen voran unser aller Rock ´n Roll - Kasper Ron
Wood, dicht gefolgt von Johnny
Winter, der mit seiner Slide - Version von
Highway 61 sogar die zahlreich anwesenden höheren Töchter im
edleren Zwirn zum
Fußwippen
verführt, obwohl diese wahrscheinlich nur wegen Johnny
Cash, June
Carter und ähnlichen Country - Fossilien gekommen sind. Redneck hin, Redneck
her, gerade die Spannweite von
Johnny Cash bis
Neil Young beweist, was Dylan
für
die andere amerikanische Kultur geleistet hat. Man stelle sich eine
Veranstaltung in der Berliner Deutschlandhalle vor, in der von
Heino bis zu den
Hosen alle auf der Matte ständen, um Wolf Biermann Tribut zu zollen ...
unmöglich!
Schade, dass sich nur so wenige an neueres Material rangewagt haben.
Bis auf die
hervorragende
Emotionally Yours - Gospelversion
der
O´Jays und
Tom Pettys
License To Kill waren so ziemlich
alle Stücke volljährig. Hätte
persönlich
zwar liebend gerne etwas
vom
Infidels - oder
Oh Mercy - Album gehört, aber
Jubiläumskonzerte scheinen eigene Gesetze zu haben.
Apropos Gesetze: Sinead "Immer - für - eine - Schlagzeile - gut" -
O´Connor hatte sich,
offensichtlich falsch
beraten, zwei Wochen zuvor zwischen die Stühle gesetzt,
als sie bei einem Fernsehauftritt ein Papst - Portrait zerriss. So passiert es
dann, dass sie - kaum sagt
Kris Kristofferson
sie
an -
in Grund und Boden gebuht wird.
"What happened to freedom of
speech?", brüllt der Puertoricaner
hinter mir - und ich bin zunächst
seiner Meinung. Die allerdings in Wanken
gerät, als mir ein
befreundeter New Yorker tags drauf
die Sichtweise des
Melting Pot - Bewohners erklärt: Es gibt dermaßen ätzend viele kleine und
größere Nichtigkeiten zwischen ethnischen
und religiösen Gruppen, dass man
hier einfach null Verständnis dafür
hat, wenn ein europäischer
Schlaumeier
daherkommt und meint, unbedingt Öl in eins der Feuer
gießen zu müssen.
Bei
all meiner persönlichen
Abneigung gegen den Chefzyniker
in Rom und seinen
Verein leuchtet
mir da
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Wer solche Fans hat, dem muss um
seine Feinde
nicht weiter bange sein. Dreißig Jahre Künstler Bob Dylan,
ein Fest für den Columbia Recording Artist gleichen Namens. Wenn die Musikindustrie
einen liebt, dann
kennt sie nur mehr den Würgegriff. Erfolg gebiert eine
gemischte Gesellschaft wie
We Are The World. Benefiz, nur lange
genug ausgeübt,
wird bloß noch ekelhaft, und vermutlich kann man irgendwann
nicht mehr anders, als sich mit dem üblichen Gesindel gemein zu machen. Dylan
hat doch nicht dreißig Jahre gesungen, Musik gemacht, sich zurückgezogen,
weitergemacht, "Lord knows I ´ ve paid some dues
gettin through",
damit er gefeiert wird, als wäre er ein amerikanisches Gemeingut wie
Frank Sinatra. Ist aber offenbar so.
Hat er das nötig? Jeder Depp kriegt seine goldene
Betriebsangehörigkeitsnadel, wenn er nur lang genug dasselbe gemacht hat, aber
warum muss sich ausgerechnet
Bob Dylan dafür beschulterklopfen lassen, dass er
immer noch Platten
herausbringt warum muss er selber
bei
Sinatra
auftreten und
dem was freundliches vorträllern? Ist er
wirklich schon die Omma, der man
noch
viele schöne Jahre wünscht, während man insgeheim hofft, dass sie möglichst
bald abnippelt, weil es ja gar nicht auszuhalten ist, wie sie immer herumnervt?
Die Peinlichkeit ist damit längst
nicht zu Ende.
Auftritt
Sinead O´Connor, selber grade
wieder in einer ihrer
vielen Metarmorphosen befangen. Eine
Woche zuvor hatte sie in
der Fernsehshow Saturday Night Live
ein Bild des Papstes
zerrissen, des Feindes der Geburtenkontrolle und obersten
Reaktionärs. Nicht
einmal
dem metropolitanen New Yorker Publikum hatte das gefallen; es
buhte jedenfalls, als Sinead O ´Connor
auf der Bühne erschien.
Selbst wenn
man das wetterwendische Mädchen verabscheut, durfte man
in dieser
Nacht ( denn nachts sendete die ARD
die Jubelfeier ) an
der Welt
verzweifeln: Bei einem Fest zu
Ehren eines ehemaligen
Protestsängers, der sich in seiner
besten Zeit mehr als ein paar
Buhrufe eingefangen hatte, empörte
sich das
wohltätigkeitsballverliebte Publikum über eine kleine
Impertinenz,
über etwas, das nicht
einmal vor ihm auf der Bühne geschah,
sondern bereits eine Woche zurücklag. Der musterhafte Amerikaner
Frank Sinatra mußte sich zwei
Jahre zuvor sogar aufregen, weil die
Irin Miss O´Connor sich weigerte, in
New Jersey die amerikanische
Nationalhymne zu singen. So findet
sich am Ende alles im großen
amerikanischen Schoß zusammen.
Oder in seinen Worten:
In ihrem
Spiel
bist du nur der Bauer.
Sinead O ´Connor
jedenfalls
erstarrte
vor dem Mikro, ließ sich Unruhe
und Buhrufe gefallen,
riß sich dann
die Kopfhörer aus den Ohren und trug
Bob Marleys
"War" vor.
Kris Kristofferson

immerhin nahm die Verstörte
nachher in den Arm.
Fehlt nur noch unser Held.
George Harrison
kündigt ihn an
als
Bobby, als
Zimmy, als
Lucky
. Die Feier -
Nacht erreicht ihren greisen Höhepunkt, als zum Ende hin ein stocksteifer
Bob
Dylan
nach vorne
wankt. Bei der vorangegangenen Deutschlandtournee benötigte er
gelegentlich die helfenden Hände
von gleich zwei Männern, um
überhaupt den
Weg auf die Bühne
und vors Mikrophon zu finden.
Diesmal schafft er es alleine,
droht
aber jeden Moment nach hinten umzukippen.
Dylan lässt sich das Mundharmonikagestell umhängen, nimmt die Gitarre und
krächzt und näselt, wie es bestimmt nicht mehr
Okie ist, sondern nur noch
schlechte Verfassung. Erschütternd, einfach erschütternd. Nur wenn er an der
Mundharmonika saugt, unterbricht er
für Momente diese
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Man stelle sich eine
Veranstaltung in der Berliner Deutschlandhalle vor, in
der von Heino bis zu den
Hosen alle auf der Matte ständen, um
Wolf Biermann Tribut zu zollen ...
unmöglich!
( Wolfgang Niedecken )
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was von ein.Zurück zum Konzert! Irgendwann spät am Abend ist es dann soweit: George Harrison hat
If Not For You und Absolutely
Sweet Marie bereits bravourös absolviert
und sagt
den Meister selbst an.
Dieser schlurft aus der Deko,
während ich verzweifelt
die Daumen halte, dass nicht wieder Mitleiderregendes passiert wie 1985 ganz am
Ende des Live - Aid Spektakels.Damals hatte er -
hackevoll vor lauter
Warterei
- lallend seine Kumpels
mit den Worten ... brought some
friends of mine ... Keith Richards ...
and
Ron Wood
... don´t
know where they are!? angekündigt, um danach den wahrscheinlich
katastrophalsten Gig seiner Laufbahn abzuliefern.
Heute Nacht ist er cleverer, und da seit jeher ( auch im nüchternen
Zustand )
das Zusammenspiel mit anderen nicht unbedingt seine Stärke ist, bringt er erst
mal zwei Nummern solo:
Song To Woody, Die
Hommage an
sein Vorbild
Woody Guthrie von
seiner allerersten LP, die mir tatsächlich Tränen in die Augen treibt. Danach
peitscht er sich dann durch
It´s Allright, Ma,
nicht ohne den obligaten Szenenapplaus für eine
seiner wohl bekanntesten
Zeilen überhaupt, in der konstatiert wird,
dass sogar der amerikanische
Präsident mitunter nackt dasteht.
Was danach kommt ist klar - das Finale. Die Herren McGuinn, Petty,
Young, Clapton und
Harrison haben sich
My Back Pages
in fünf
Strophen aufgeteilt, die sechste singt der Meister selbst. Auch hier meldet sich
der Kloß in meinem Hals:
... ah, but I was so much older then,
I´ m younger
than that now .
Welch ein Text für einen ( damals
) 23jährigen Grünschnabel, welch ein Text für einen ( heute ) 51jährigen,
"... ehrenwerten, außerhalb sämtlicher Konventionen lebenden
Querköpfe, dem so viele so viel verdanken, der Schuhe für alle gemacht hat,
aber selbst immer noch barfuss geht."
Das war der eigentliche Höhepunkt, auch wenn der Chronist noch vermerken muss,
dass noch
Ringelpiez mit anfassen in Form
von Knockin ` On Heaven´ s Door
stattfindet, wobei - Happy end -
Frau O´ Connor zum
guten Schluß doch noch zum Singen kommt, indem sie zwischen den Zeilen hier und
da Axl Roses hey,
hey, hey einwirft. Noch eine letzte dramaturgisch überflüssige Zugabe,
nämlich Dylan solo mit
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Die Gratulanten
John Mellecamp
Kris Kristofferson
Stevie Wonder
Lou Reed
Eddie Vedder / Mike Mc Cready
Tracy Chapman
June Carter und Johnny Cash
Willie Nelson
Johnny Winter
Ron Wood
Richie Havens
The Clancy Brothers
Robbie O´Connell
Tommy Mackem
Mary Chapin Carpenter
Rosanne Cash
Shawn Colwin
Neil Young
Chrissie Hynde
Eric Clapton
The O´Jays
The Band
George Harrison
Tom Petty & the Heartbreakers
Roger McGuinn
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Girl From The Nort Country,
dann stellt ein sehr alt wirkender
Mann umständlich seine Gitarre weg und
schlurft zurück in die Deko.
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peinliche Schaustellung.
Drängend
die Gitarre bei
I´m alright, Ma ( I´m Only Bleeding ),
aber wenn er verkündet, dass er
nichts mehr habe, für das sich zu
leben lohne,
kriegt er die Stimme überhaupt nicht mehr hoch; der
Vortrag der Worte fällt
ihm schon
schwer genug. Wie so oft in den
letzten Jahren wirkt Dylan
schwerstens
bedröhnt, lustlos
ohnehin und so fehl am Platz wie eine
Kuh im
Surfkurs. Ebenso elegant schrummt er über seine Gitarre,
keucht in den Hobel, bis er gnädig
von einem Kreis Verehrer überspielt wird,
in den sich auch die einst so machtvolle Begleitgruppe
The Band eingereiht
hat.

My Back Pages
im
Wechselgesang und dann das unvermeindliche
Knockin´on heaven´s door,
bei dem auch
Sinead O
´Connor
wieder mitsingen darf: eine unsynchronisierte Altmänner-
und weibervolksversammlung, als wären wirklich schon alle auf dem
Weg nach draußen. Ein Trauerspiel.
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Geschichten am Rande der Show
John Hammond jr wollte
I´ll be your baby tonight
spielen. Da Kris Kristofferson
diesen Song übernahm, mußte
sich Hammond einen neuen aussuchen. Er konnte keinen anderen Dylan -
Song spielen und bot
See that my grave is kept Clean,
ein Song
von Blind Lemon Jefferson
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Dreißig Jahre zuvor, mit Anfang
Zwanzig, spielte Dylan überzeugend
den alten Mann, der alles gesehen hat
und nichts verzeiht. Die
gesamte
Erblast der fahrenden Sänger trug er
auf dem Buckel, der
Staub der Okies verklebte ihm die Haare, der Ruß der streikenden
Bergarbeiter fraß ihm die Stimmbänder weg, der Fusel der
wandernden Sänger umwehte ihn
mitsamt den Legenden von
Messerstechereien und Eifersuchtsmorden. Alles lief auf
ihn zu, und
er faßte die ganze untergründige Geschichte der
USA in seinen
Liedern zusammen.
Und wenn unter seinen allzeit gültigen Hetzversen
auf die amerikanische Regierung eine verdächtige Cowboy -
und
Gangsterfolklore aufblinkte, dann entsprach er damit ohnehin unserem
gleichgestimmten Sentimentalitätsbedürfnis. Inzwischen war Dylan
vorausgealtert, ein jammervoller Greis von 51 Jahren, der andere
gegen die
Masters of War
singen läßt ( jugendlich empört:
Pearl
Jam
) und selber in West
Point auftritt, in der
Schleifanstalt
für
den amerikanischen Militärnachwuchs.
Und dann wieder diese Szenen, die
einen mit dem heiligen Meister versöhnen:
Er kam einfach nicht zu seiner eigenen Party.

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Und dann wieder diese Szenen,
die einen mit dem heiligen Meister versöhnen:
Er kam einfach nicht zu seiner eigenen Party.
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