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Saved


Kawasaki

von Günter Amendt
Konkret 8 / 1980

There is No Hope with That Pope 

Ende Februar 1980 ging Dylan erneut ins Muscle Shoals Sound Studio in
Alabama um mit den gleichen Produzenten von Slow Train Coming, Jerry 
Wexler und Barry Beckett, neun Titel für sein neues Album Saved aufzunehmen.
Es erschien im Juni 1980 und setzte die tiefreligiöse Empfindung fort, wenngleich
der Tonfall des Predigers sanfter geworden war. Es ging nicht mehr um
Höllenfeuer und Verdammnis, sonder um persönlichen Glauben und
Entschlossenheit. Manche hielten es für ein musikalisch großartiges Album, mit
einigen der faszinierendsten Modulationen (etwa bei "In the Garden" und "Covenant Woman"), die er je geschrieben hatte.

1980 wurde geschätzt, daß etwa fünfzig Millionen Amerikaner Born Again Christians seien; selbst im Weißen Haus saß ein Gläubiger dieser religiösen Gemeinschaft. Seinen ersten Grammy überhaupt erhielt Dylan für "Gotta Serve
Somebody". Als ihm der Preis am 27.Februar 1980 überreicht wurde, erschien
Dylan im Smoking und mit weißer Fliege. Im April gab er zwölf Konzerte in
Toronto, Quebec, Albany und Buffalo - ausschließlich mit seinen neuen
Gospelsongs. Im Mai hatte er weitere achtzehn Auftritte in sieben Staaten. 
Immer noch wurden seine alten Songs verlangt, aber er kam seinem Publikum
erst Ende des Jahres entgegen, bei neunzehn Konzerten vor allem in San Franciso und dem pazifischen Nordwesten.

Später erklärte Dylan, warum er in dieser Auschließlichkeit bei den Songs seiner religiösen Vision bleiben mußte. "Ich hatte ein wirkliches Wiedergeburtserlebnis....Ich habe immer gewußt, daß es einen Gott gibt oder
einen Schöpfer des Universums oder Schöpfer der Berge und des Meeres.....
aber Jesus und seine Beziehung zum höchsten Schöpfer war mir nicht bewußt. 
Ich habe mich einfach morgens um sieben im Bett aufgesetzt und den inneren
Zwang gespürt, mich anzuziehen und zur Bibelschule rüberzufahren. Ich konnte
gar nicht glauben, daß ich da war." 

Dylan leugnete, daß seine christlichen Visionen Teil einer Suche nach religiösen
Antworten seien, die ihn auch nach Israel geführt hatte. Und er wollte das, was 
er mitgemacht hatte, nicht als Verirrung abgetan sehen, wie der pseudo-indische Karma-Cola-Instant-Mystizismus es eine war, dem so viele verfallen waren. 
"Das ist für mich kein Maharishi-Trip. Jesus bedeutet mir etwas ganz anderes.
Aber wenn ich durch einige Städte gehe, in die wir kommen, bin ich absolut
überzeugt davon, daß die Leute Jesus brauchen. Schau dir die Junkies und die
Säufer und ganzen Leute mit Problemen an. All das ist eine Krankheit, die in
einem Moment geheilt werden kann. Die maßgeblichen Mächte wollen das aber
nicht zulassen. Die maßgeblichen Mächte sagen, das muß alles politisch geheilt
werden.

Zum ersten Mal hatte Dylan 1980 mit Pastor Larry Myers einen Geistlichen in
seinem Tourteam, der unterwegs die Gebete und das Bibelstudium leitete und
Dylan persönlich geistlichen Beistand geben sollte. Larry Myers und Dylan
entwickelten eine sehr enge Freundschaft. Pastor Myers war nach eigener
Aussage oft Dylans Ansprechpartner bei der Ausarbeitung seiner Texte."

Ein Teil des Heilungsprozesses zwischen Dylan und seinen alten Fans begann im
November 1980 während der Konzerte im Fox Warfield Theatre in 
San Francisco; ungefähr acht der etwa zwanzig Songs des Programms waren
ältere Hits. Das Publikum begann sich damit abzufinden und sogar die Wucht der
religiösen Songs zu akzeptieren. Als er "Solid Rock" sang, mit dem Text, über die
vehemente Bedeutung, die der Felsen Jesus für ihn habe, begannen die Leute die
Angelegenheit "Christentum" als intensive Beschäftigung mit seinem persönlichen
Heil zu begreifen. Dylan leugnete, das reparaturbedürftige, zersprungene Gefäß 
zu sein, von dem er sang. Wir können wählen - Dylan allein weiß, ob das, was 
ihn zu Jesus brachte, eine Krise oder ein Höhenflug war.


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