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Dylan 1973 (Cover)

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Dylan
(1973)

Dylan 1973 (Cover)

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© 2002 Norbert Baro
Last update
17. November 2002

 


Ich halte sie für ein Meisterstück.
von Helmut Salzinger
Sounds 2 / 74


Bob Dylan´s neueste LP heißt schlicht Dylan, und genauso klingt sie auch:
 Dylan und was er inzwischen ales kann.

Die Platte enthält neun Titel, und - ein absolutes Novum - nicht einer ist
 von ihm selbst geschrieben. Trotzdem ist sie von vorn bis hinten reinster 
Dylan. Ich halte sie für ein Meisterstück.

Wie es scheint (es gibt keine näheren Angaben auf dem Cover), sind 
die Aufnahmen sämtlich älteren Datums, aus der Zeit von 
Self  Portrait 
und
New Morning, was jedoch nicht gegen ihre Qualität spricht. Ich finde
 sie sogar ausnahmslos besser als Dylans früher erschienene Versuche
mit fremden Material. Was auf dieser Platte versammelt ist, bezeugt vor 
allem Dylans Meisterschaft als Sänger. Gerade weil es sich um fremdes 
Material handelt, die Texte einfach, zum Teil ausgesprochen banal sind, 
darf man sich getrost auf das Wie ihrer Darbietung konzentrieren.

Man muß es sogar. Wer eine neue Botschaft von Bob Dylan erwartet hat,
 wird entäuscht sein. Wieder einmal. Bob Dylan verkündet nichts. er singt.

Was er zu sagen hat - wenn er dann etwas zu sagen hat - sagt er
 ausschließlich musikalisch. Die verschiedenartige Herkunft der Songs
 aber bewirkt, daß er das gesamte Spektrum seiner stimmlichen 
Möglichkeiten ausbreiten kann. Sop enthält die Platte eine 
Zusammenfassung  all dessen, was er sich seit
Blonde on Blonde  
erarbeitet hat. Eine Summe wird gezogen, und man wird den Titel der 
Platte im Sinne von
Self  Portrait zu deuten haben. Dylan ist ein neues, 
nun aber rein musiklisches Selbstbildnis.

Musikalisch gesehen wimmelt es hier von Zitaten, von Selbstzitaten. 
Ich höre hier den Dylan von
John Wesley Harding und Nashville Skyline
von
Self Portrait und New Morning, und ich höre sogar den frühen 
Balladensänger, der ausschließlich auf den Bootlegs - LPs dokumentiert 
ist. Indem Dylan fortwährend Dylan zitiert, behauptet er immer wieder
 Kontinuität seiner musikalischen Entwicklung, wehrt er sich zugleich 
gegen die verschiedenen Images, die ihm in der Vergangenheit vom 
Publikum, von der Kritik, von seiner Plattenfirma angedichtet 
worden sind.

Spätestens seit seinem ,,Rolling Stones" - Interview sollte klar geworden 
sein, daß er sich nicht als Leitbild oder Sprecher einer Generation 
verkaufen lassen will. Er sieht sich als Musiker und als nichts sonst. 
Die Interessen eines Musikers aber gehen sicherlich in andere Richtungen 
als die seiner Hörer oder gar Fans, die ihm immer wieder das gleiche 
abverlangen, mit dem er schon einmal Erfolg bei ihnen hatte. Ihm aber 
geht es nicht um diese Art von Erfolg. Ihm geht es um die Entwicklung 
und Erprobung seiner musikalischen Möglichkeiten, auch wenn ihm die
 Fans dabei nicht mehr folgen sollten. Die diesbezüglichen Erfahrungen 
hat er längst hinter sich, und wenn es für ihn noch eine Rolle gibt, die er
 zu spielen hat, dann die Rolle dessen, der sich allen Rollenerwartungen 
entzieht.

Ich halte es darum für einen schlimmen Irrtum, aus der Tatsache, daß er
sich auch an Elvis - Nummern versucht zu schließen, er sei auf den 
Erfolgstrip gegangen und zu Konzessionen an den Publikumsgeschmack
 bereit. Verhält es sich nicht vielmehr so, daß er , indem er denVergleich 
geradezu herausfordert, sich mit dem Größten mißt? - Denn Elvis ist 
der Größte, und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß es für einen Musiker, 
der in seiner Art ebenfalls der Größte ist, eine Frage des Selbstbewußtseins 
ist, sich an ihm zu erproben und sich mit ihm zu messen.

Also singt Dylan Elvis - Nummern, und er versucht sie so gut zu bringen 
wie Elvis, allerdings nicht wie Elvis, sondern wie Dylan so etwas macht, 
wenn er so etwas macht.Und dann sind es plötzlich Dylan - Nummern, 
und die Banalität des musikalischen Materials spielt keine Rolle mehr. 
,,Can´t help falling in love" zum Beispiel, bei Elvis eine hochgepeppte 
Schnulze, die mit kommerziellem Pathos die falschen Gefühle 
sentimentaler Teenager streichelt, ist bei Dylan zu einem einfachen 
Liebeslied geworden, das ein Gefühl ausdrückt, ohne es auszuschlachten.
Aber auch Dylan macht es mit seiner Stimme.

Denn hier ist sie wieder, diese unverwechselbare, etwas heisere 
Dylan - Stimme, die einem durchs Ohr gleich unter die Haut geht und die
 man seit
Sad - Eyed Lady of the Lowlands nur noch ausnahmsweise 
zu hören bekommen hat, diese Stimme, die ich hungrig nennen möchte, 
 weil ich aus ihr das beständige, aber unstillbare  Verlangen nach - Pardon -,
 ja Glück heraushöre...

Der Rest ist Zuhören          

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