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Auf einem |
Dylan experimentiert wieder von Carl Weißner Sounds 3 / 1976 Dylan experimentiert wieder, zwar mit unterschiedlichen Erfolg, aber er experimentiert - und das ist schon mal ein Pluspunkt dieser LP: neue Begleitmusiker; Duo - Gesang mit weiblicher Stimme (die übrigens erste Stimme singt) ; Arrangements in ungewöhnlicher Instrumentierung und die Texte hat er erstmals nicht allein geschrieben, sondern zusammen mit einem Off - Broadway - Theatermann namens Jacques Levy. Die Arrangements und die etwas riskante Instrumentierung mögen Geschmacksache sein. Es führt jedoch bedenklich in die Nähe von platter ,,Programm - Musik", wenn man den schwarzen Boxer ,,Hurricane " Carter mit Bongotrommeln untermalt, dem New Yorker Gangster mit den italienischen Vorfahren (Joey) eine neapolitanische Mandoline draufsetzt, und wenn man gar dem mexikanischen Desperado (Ramance in Durango) ein elektronisches Schifferklavier bei giebt, das bei Bedarf auch Fiesta - Trompeten imitieren kann. Von Scarlet Riveras Geige läßt sich bestenfalls sagen, daß sie im großen und ganzen nicht stört. Schlimm wird ´s nur dort wo ihr Arrangement Raum zum Improvisieren läßt; und wenn sie sich in Dylans Mundharmonika - Soli reinsägt, zieht es einem die Socken aus. Aber all das ist ist halb so wild, denn Dylan behandelt die Arrangements durchaus mit Ironie, indem er sich weigert, die Musik auf Perfektion zu trimmen. Und: bei einigen Nummern ist ausgesprochener Pep dahinter. Das ist abgesehen von einem überraschend resoluten Dylan, vor allem dem Bassisten Rob Stoner und dem Drummer Howard Wyeth zu verdanken. Bestes Beispiel: Isis - Dylan spuckt hier seinen Text wieder mit dem aggressiven twang aus;Stoner zieht manches starke Riff ab; und Wyeth beweist, daß er ein richtiger kleiner Shitkicker sein kann. Ein weiterer Pluspunkt: Emmylou Harris. Mit Dylan im Duett zu singen, ist weiß Gott nicht die einfachste Sache von der Welt. Emmylou tut das einfach Richtige: sie versucht es erst gar nicht mit Routine, sondern steigt mit vollem Risiko ein. Das geht nicht immer glatt auf; aber genau so, finde ich, kommt es am überzeugendsten rüber. Einer der besten Dylan - Songs seit langem ist Black Diamond Bay. Wer einmal mit Genuß die Romane von Joseph Conrad geschmökert hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Schließlich die beiden großen ,,Protestsongs" dieser LP. Sie sind stärker als viele von Dylans früheren Balladen über Outlaws, Opfer von Rassenjustiz usw. - denn Dylan versucht hier nicht, die Sache dichterisch zu überhöhen; er geht geradezu journalistisch heran, nennt Namen und bringt schließlich harte Facts aufs Tapet. (Bei Hurricane ging er sogar so sehr in die Einzelheiten, daß ihm die Anwälte von CBS eine Zeile streichen mußten, um die Plattenfirma vor einer Verleumdungsklage zu bewahren.) Die musikalische Verpackung von Hurricane ist vielleicht ein bißchen eintönig für so eine lange Nummer, Joey dagegen geht in jeder Beziehung in die Vollen. Mit seiner Sympathie für den Outsider Joey setzt sich Dylan übrigens bewußt in die Nesseln: Joey Gallo war eine Randfigur der New Yorker Mafia, und seinen Spitznamen ,,Crazy Joe"trug er nicht zu Unrecht - er war crazy genug, ausgerechnet seinen schärfsten Rivalen die Klubklasse auszuräumen. Dafür wurde er prompt umgenietet.
Diese LP beweist, daß
Dylan nach wie vor bereit ist, noch etwas zu |
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