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16. February 2004
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The Basement Tapes
Bob Dylan and The Band
von Helmut Salzinger Sounds 9 / 75
Hat nachdem Decca die alten Stones aus der
kiste geholt hat, nun
Bob Dylan den alten Bob Dylan aus der Kiste geholt? -
Die Session fandem im Sommer / Herbst 1967 statt. Acht Jahre ist das
nun her, daß die ersten Bootleg - LP´s herauskamen,auf denen
Mitschnitte von diesen Sessions zu hören waren. Great White Wonder,
und das war so oft vom Band auf Platte überspielt worden, daß man
schon wissen mußte,um was für Musik es sich da handelte, damit
man es auch hörte. Aber das wußte man ja. Es waren Bob Dylan und
die Band im Keller von Big Pink und White Wonder war eine der
ersten Bootlegs überhaupt, und wir alle waren viel jünger, und so
war es eine ganz große Sache.
Jetzt, acht Jahre nach dem Ereignis, sechs Jahre nach seiner
unerlaubten Bekanntgabe, sind dieselben Aufnahmen in offizieller
Version herausgebracht worden, The Basement Tapes von Bob Dylan
und The Band, und die Sache ist nicht mehr ganz so groß, aber
immer noch groß genug und eigentlich überhaupt eine ganz andere
Sache.
Die Aufnahmen, die Robbie Robertson für dieses Doppelalbum
zusammengestellt hat, 24 an der Zahl sind größtenteils von den
Bootlegs her bekannt. Eine Nummer, in welcher Dylan lead singt,
Goi´to Acapulco, war bisher nicht behannt, desgleichen die restlichen
acht Nummern. in welchen Mitglieder der Band lead singen.
Ich finde nun allerdings, daß auch die bekannten Stücke bisher nicht
eigentlich bekannt waren. Was man von den Bootlegs her kannte, war
die Aura der Stücke, mit welcher die Tatsache,daß es sich um
geraubte / befreite Dylan - Aufnahmen handelte, sie versah.
Nun erst jedoch, gesäubert von allem Knacken,Rauschen und sonstigen
Drumunddran, dafür aber neu gemischt, kann man sie selbst hören,
ohne jede Aura. Und dann erweisen sie sich als etwas anderes,
nämlich als alte Dylan - Aufnahmen von 1967, das fehlende Glied
zwischen Blonde on Blonde und John Wesley Harding:
Trotzdem: Nix Nostalgie. The Basement Tapes ist kein nostalgisches
Album. Before The Flood ist ein nostalgisches Album geworden.
Dies nicht.Damit es keins wurde, hat man sich große Mühe bei
der neuen Abmischung der alten, vergleichsweise primitiv
aufgenommenen Bänder gegeben. Das klingt jetzt alles ziemlich
astrein und professionell und neu, und das verhindert, daß man sich
über dem Wiedererkennen der alten Stücke ans erinnerungsselige
Träumen verliert.
The Basement Tapes, das ist kein Dylan - Album, wie Great White
Wonder und seine Ableger Dylan - Alben waren. Es ist ein Album von
Dylan und der Band, und das ist ein Unterschied. Hier ist zu hören,
wie das klang, wenn Dylan und die Band nur für sich selbst Musik
machten, ganz auf einander bezogen, für niemanden sonst und im
Hinblick auf nichts. Musiker, Freunde: - gute Freunde und gute
Musiker, die zusammen Musik machen, aus dem einzigen Grund;
daß es ihnen Spaß macht, und kein Publikum erhält Gelegenheit, es
zu hören. Was uns Konsumenten da täglich entgeht, weiß niemand
zu sagen, aber es sind sicherlich die besten intensivsten,
inspiriertesten Augenblicke
Vielleicht muß einer schon mal das Glück und das Vergnügen
gehabt haben und dabei gewsen sein, wenn Musiker nur für sich
selber und ihre Musik machen, muß einer die Dichtigkeit der
Atmosphäre mitbekommen, diese Schwingungen, für die es leider
nur den abgegriffenen und sinnentleerten Ausdruck Good Vibes
gibt, von denen dann aber der Raum voll ist, körperlich empfunden
haben, um zu verstehen, was an diesen Aufnehmen das Besondere
ist, das Intime und ganz und gar Vorbehltlose zwischen den
Musikern, das aus ihnen spricht. Keinerlei Spannungen,
Rivalitäten, Egokämpfe, keinerlei Stress, jetzt das Beste leisten
zu müssen, sondern sechs Musiker die sich voll öffnen und voll
aufeinander eingehen.
Auf dem Cover ist ein kenntnisreicher und behutsam interpretierender
Text des Rolling - Stone Schreibers Grei Marcus abgedruckt,
in welchem er dern Geist dieser Aufnahmen mit den besten
Traditionen der amerikanischen Volksmusik verknüpft. Das zu
beurteilen bin ich nicht kompetent. Aber ich höre in dieser Musik,
was er im Hinblick darauf ,, das Festhalten des Sängers am Geheimnis
alles Lebendigen" genannt hat, Daß es den Tod akzeptiert.
Das scheint mir, ist der Boden, auf dem die vitale Fröhlichkeit und
Unbeschwertheit dieser Musik gediehen ist. Übrigens nicht nur
dieser Musik (und eben darum wollte ich seinerzeit über
Blood on the Tracks nichts sagen).
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