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Nur die Musik verbindet
Neue Westfälische vom 9. Januar 1999
von Werner Pilz
Die Band , die Rock ´- n´- Roll - Geschichte schrieb, hat gerade mit
"Jubilation" drei Jahrzehnte vollgemacht. Wir haben Levon
Helm, Rick Danko und Garth Hudson in Woodstock, ihrer
Wahlheimat in Staate New York, besucht und sie zu ihrem runden
Jubiläum befragt.
Will man zu den Anfängen der Geschichte, so muss man 40 Jahre
zurückblicken. 1958 verließ der Schlagzeuger Levon Helm in einem
roten Chevy Sedan die warme Heimat Arkansas / USA Richtung Kanada.
Dort begeisterten er und Bandleader Hawkins das zwielichtige
Nachtvolk in den Klubs mit knallharten Rockabilly. Die Band hatten
sie mit jungen kanadischen Musikern komplettiert: dem
fünfzehnjährigen Robbie Robertson, dem charismatischen Richard
Manuel, dem musikalischen Genie Garth Hudson und dem Frauenliebling
Rick Danko. "Ich war damals 17 Jahre alt", erinnert sich
Levon Helm. "Wir hatten alle nicht viel Ahnung,. Wir spielten
jeden Abend, das war unser Job."
1965 engagierte Bob Dylan die Musiker, die sich längst von Hawkins
getrennt hatte, als Begleitband für seine Welttournee. Als er sich
ein Jahr später nach einem sehr schweren Motorradunfall in das
damals noch unbekannte Woodstock zurückzog, folgte ihm die Band. In
ein rosafarbenes Haus im Wald, "Big Pink"
genannt.
"Wir haben probiert, jejammert und viel Unsinn gemacht",
erzählt Levon. "Nichts geschah für die Ewigkeit. In diesen
ausgelassenen Zeiten haben wir viel von Bob gelernt". Unter dem
Namen THE BAND veröffentlichten sie 1968 ihr Debütalbum:
"Musik from Big Pink" war ein phänomenales
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Musik von Big Pink
Session - House von THE BAND

musikalisches
Bekenntnis gegen jegliche Zeitströmung. Der herrschenden,
aggressiven Rockmusik setzten sie harmonische Folk - Tradition
gegenüber.
In den Zeiten gesellschaftlicher Verweigerung sangen sie vom
Respekt gegenüber den Eltern. Sowohl "Music from Big
Pink" als auch die Folgealben "The Band" und
"Stage Fright" versöhnten die Widersprüche der
amerikanischen Kultur, der Lagerfeuer und der Neonreklamen.
1975 spielte THE BAND ihr großes (Abschluß -) -konzert in
San Franciscos Winterland Ballroom mit Gästen wie Bob Dylan, Neil
Young, Muddy Waters und andere. Der Film "The Last Walz" (Regie:Martin
Scorsese), so gut er bei der Kritik und Publikum ankam, machte den
Riß zwischen den einstigen Weggefährten deutlich. Levon Helm:
"Robbie Robertson hat mit seinem Freund Scorses einen Film
über Robbie Robertson gemacht. Du siehst keine Einstellung von
Richard (Manuel), du siehst keine Einstellung von
irgendjemandem außer Robbie. Er vergaß alles neben sich. Er
hörte auf, ein Freund zu sein." THE BAND hört auf, eine Band
zu sein.
Doch 1998 gibt es sie noch immer. Nach der Reunion im Jahre 1983
(ohne
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NUR!
Robertson), dem Freitod von Richard Manuel und dem Hinzukommen
von Randy Ciarlante (dr), Jim Weider (g) und Richard Bell (p) haben
THE BAND, nach Big Pink", erneut einen Kreativplatz und
Rückzugsraum gefunden: Levon Helms Woodstock Studio. In dem großen
Holzhaus mit dem wunderschönen See in den Catskill - Bergen treffen
sie sich unter der Empore, jammern, nehmen auf und komponieren wie
in alten Zeiten. Nur ein paar Autominuten entfernt wohnen auch Rick
und Garth, deren kleiner Bungalow mit Instrumenten und Equipment
vollgestopft ist. Die Küche sieht aus wie die Werkstatt eines
Radiomechanikers.
Mit der Manie des Genies hat sich Hudson in seine musikalische
Jugendliebe vertieft, in Partituren und Konzepte rumänischer
Polkamusik. Akribisch notiert er Sendezeiten und Repertoire eines
Radiosenders, der ausschließlich im 2/4 Takt sendet.
Zum Ausklang des Tages lädt mich Rick Danko zum Essen ein. Seine
Ballade vom letzten Kampf des Krieges ("If I should fail")
zeigt ihn und die BAND auf " Jubilation" in altem Glanz,
doch seine äußere Hülle hat an Appretur verloren. "Ich
glaube, wir sind auf dem richtigen Weg", bemerkt Danko
verzückt, als im Little Bear, dem besten Chinesen in Woodstock, zum
Dessert frittierte Erdbeeren serviert werden.
Sie sind älter geworden, dicker, kranker, verschrobener. Sie gehen
ihre eigenen Wege und finden doch immer wieder zusammen. "Wir
sind die besten Freunde", sagt Rick Danko. "Wir sind
länger zusammen als die meisten Leute verheiratet sind. Dennoch
gehen wir nicht gerade jeden Abend zusammen aus. Eigentlich ist es
nur die Musik, die uns verbindet."
Nur!
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